Tragikomödie

„Back for Good“ im Kino

Erstaunlich, wie viel positive Aufmerksamkeit die junge Regisseurin Mia Spengler mit ihrem Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg hat auf sich ziehen können: 2017 eröffnete „Back for Good“ die Reihe Perspektive Deutsches Kino bei der Berlinale

Falko Lachmund

Im selben Jahr wird der Film mit dem Studio-Hamburg-Nachwuchspreis als Bester Spielfilm ausgezeichnet. Und 2018 konkurrierte Kim Riedle, die wunderbare Hauptdarstellerin, in der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle“ neben Diane Kruger und Marie Bäumer gar um den Deutschen Filmpreis. Und auch wenn schließlich Bäumer die Lola mit nach Hause nimmt, so trägt Riedle doch einen großen Anteil am Gelingen von „Back for Good“.

Die bisher im Kino kaum in Erscheinung getretene Aktrice mit schwäbischen und mazedonischen Wurzeln schlüpft in diesem so aufgekratzten wie melancholischen 90-Minüter mit Verve und großer Glaubwürdigkeit in die Haut von Angie: einem wasserstoffblonden, sonnenstudiobraunen, just aus der Entzugsklinik entlassenen TV-Starlet, das gern auf 25-Zentimeter-High-Heels durchs Leben klackert. Angie liebt kurze Röcke, lange Fingernägel und Push-Up-BHs. Sie kann tüchtig nerven und ziemlich lässig an einer der vielen von ihr konsumierten Zigaretten saugen. Angie starrt ständig auf ihr Handy, denkt nur an ihr Comeback: „Vom Entzug ins Dschungelcamp, bamm!“ Ganz so einfach indes stellt sich die Rückkehr in die bunte Welt der B- und C-Promis dann doch nicht dar, zumal sich Angies Freund (und Manager) jüngst von ihr getrennt hat. Und sie darob bei Mama (ähnlich stark: Juliane Köhler) in der Provinz unterschlüpfen muss. Dort trifft sie auch auf ihre pubertierende Schwester: Ihrer Epilepsie wegen muss Kiki ständig einen Schutzhelm tragen und wird auch sonst von der Mutter drangsaliert. Sukzessive offenbart sich, welch Hypothek auf der pathologischen Dreierbeziehung lastet, die Angie mit Schwester und Mutter verbindet.

Mia Spengler gelingt mit „Back for Good“ ein kleines Kunststück, ist der Film doch zu gleichen Teilen berührendes Familiendrama wie bitterlustige Medienkritik. Irgendwann fällt ein Satz, der den ganzen YouTube-Facebook-Instagram-Influencer-Celebrity-Netz-Irrsinn wunderbar auf den Punkt bringt: „Egal, was für ’ne Scheiße man macht, Hauptsache es schaut jemand zu.“

Back for Good D 2017, 90 Min., R: Mia Spengler, D: Kim Riedle, Juliane Köhler, Leonie Wesselow, Start: 31.5.

Mehr über Cookies erfahren