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"Bad Neighbors 2" im Kino

"Bad Neighbors 2" im Kino

Seth Rogen hat einen Bauch, der sich hervorragend für eine Kriegsbemalung eignet. Er ist rund und glatt, und wenn man die entsprechenden Zeichnungen darauf anbringt, dann kann er fast martialisch aussehen. Na ja, so wild halt, wie es ein pummeliger Typ mit Hornbrille und Wuschelkopf gerade noch zuwege bringt.
In der Komödie "Bad Neighbors 2" macht Rogen aus sich einen Krieger, weil er einen Mann spielt, der schwer in die ­Defensive geraten ist. Nebenan sind nämlich ein paar Mädchen eingezogen, die unbedingt eine "sorority" gründen wollen, also eine Schwesternschaft. Zweckwidmung der ­geplanten Vereinigung: Party ohne Unterlass. Die ­Finanzierung ist dabei nicht ganz legal, denn die Schwestern verkaufen Marihuana. So kommt es in einem Viertel, das stark nach suburbaner Langeweile aussieht, zu einem Drogenkrieg, und im Zuge dessen muss Seth Rogen so allerhand einstecken.
Nicht so dramatisch wie in der Komödie "The Interview" (in der es eine Szene für die Ewigkeit gibt, in der ein junger Mann mit einem Metallteil im rückwärtigen Körperausgang in eine hochnotpeinliche ­Situation kommt). Aber doch so dramatisch, dass er mit dem Kopf eine Garagenwand durchschlagen muss, und dann kommt es eben zu diesem Spießrutenlauf neben einem ­äußerst durchtrainierten Zac Efron, der seine ­Muskeldefinition hervorhebt, indem er das ausgelaufene Fett von Grillfleisch darauf verteilt.
Wenn man "Bad Neighbors 2" als eine ­Mischung aus "Knocked Up" und "American Pie" (abzüglich der gröbsten Zoten) versteht, dann hat man einen ungefähren Begriff davon, warum die erste Ausgabe dieser Komödie so erfolgreich war, dass eine Fortsetzung unausweichlich wurde. Und Seth Rogen kann hier wieder einmal an jenem Rollenbild des überforderten Normalos arbeiten, für den er nun mal auch den entsprechenden Körper hat. Einen realistischen Körper, nicht so eine fleischgewordene Zwangsneurose, wie sie in Hollywood zum Standard geworden ist.
Rogen stammt aus dem Talente-Pool, der sich Ende der 90er-Jahre bei der Sitcom "Freaks & Geeks" versammelte. An seiner ­Seite damals: James Franco, Jason Segel, hinter der Kamera Paul Feig und Judd Apatow. Die Liste liest sich wie ein Who’s Who der US-Komödie der letzten Jahre, und Seth Rogen war auch danach noch bei vielen der markanten Stationen dabei: in "Superbad", in "Ananas Express" (der Wiederkehr der klassischen Stoner-Komödie aus den 70er-Jahren), in "Das ist das Ende", einer All Star-Apokalypse, bei der er gemeinsam mit seinem langjährigen Schreibpartner Evan Goldberg selbst Regie führte. Einen ausgeprägten Sinn für höheren Blödsinn muss man Seth Rogen vor allem bei diesem Projekt bescheinigen, das durch einen denkwürdigen Gastauftritt von Channing Tatum in Erinnerung ist.
Nur selten findet sich dagegen jemand, der Rogen auch als Schauspieler ernst zu nehmen gewillt ist, so wie Sarah Polley in dem Beziehungsdrama "Take This Waltz", vor ­allem aber Danny Boyle zuletzt in ­"Steve Jobs". Die moralisch wie atemtechnisch höchst ­anspruchsvollen Dialogduelle, die er sich dort in der Rolle des Computerpioniers ­Steve Wozniak mit dem Verkäufergenie Jobs liefert, zeigen Rogen als einen Schauspieler von Format, der aber für eine große Karriere vermutlich nicht die richtige Stimme hat. Die eignet sich nun einmal definitiv besser dafür, "Kung Fu Panda" zu sprechen, als eine große Bühne souverän zu bespielen. Bei ­einem interessanten Projekt wie dem gerade in Fertigstellung befindlichen "Zeroville", in dem James Franco aus den Tagen des New Hollywood Ende der 60er-Jahre erzählt, muss er dann doch wieder in den Schatten seines attraktiven Kumpels treten.
So bleibt dem Mann wohl vor allem das komische Fach, das aber ohnehin längst als ehrenwert anerkannt ist. "Bad Neighbors 2" ist keineswegs ein Höhepunkt des Genres, eher ein Beispiel dafür, was passiert, wenn man Erfolgsrezepte in den Mixer wirft und schaut, was dabei herauskommt. Im Detail stecken hier immer noch viele tolle Ideen, insgesamt ist das aber doch ein sehr überschaubarer Spaß. Aber das sollte einen auch nicht verwundern angesichts der überbordenden Produktivität, mit der Seth Rogen und seine Generation der Thirtysomethings (er selbst ist gerade 34 geworden) den Betrieb aufmischen. An Ideen mangelt es ihnen nicht, und der Erfolg bringt es mit sich, dass auch ihre mittelmäßigen Einfälle gefragt sind. Die Idee mit dem kriegsbemalten Schmerbauch aber ist ganz wunderbar – und so bleibt auch von "Bad Neighbors 2" ein Bild, das man nicht so schnell vergisst.

Text: Bert Rebhandl

Foto: UPI

Orte und Zeiten: Bad Neighbors 2

Bad Neighbors 2 USA 2016, 91 Min., R: Nicholas Stoller, D: Seth ­Rogen, Zac Efron, Rose Byrne, Chloл Grace Moretz

?Kinostart: Do, 5. Mai 2016

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