Historiendrama

„Ballon“ im Kino

Luftige Flucht: Mit dem Ballon nach Westen

Studiocanal/ Marco Nagel

Michael Bully Herbig macht jetzt mal ernst. Ganz ernst. Völlig ohne Quatsch und Gags. Nachdem er als Regisseur zuletzt seine „Bully­parade“ fürs Kino wiederbelebte, versucht er mit „Ballon“ nun etwas Neues: Er hat einen Thriller gedreht, ohne ironische Brechungen und nach US-Genrevorbild und greift eine wahre Begebenheit auf, die bereits 1982 unter dem Titel „Mit dem Wind nach Westen“ als US-Produktion auf der Leinwand landete – eine spektakuläre Flucht aus der DDR über die Grenze nach Westdeutschland.

1979 bauen und nähen zwei Thüringer ­Familien (gespielt unter anderen von Friedrich Mücke, David Kross und Karoline Schuch) für ihre Flucht einen Heißluftballon. Der erste Versuch, damit nachts in der Gondel nach Franken zu treiben, geht schief. Der Ballon landet unsanft nur knapp vor der West-Grenze im Wald. Mit viel Glück fliegen sie danach zwar nicht sofort auf. Sie haben aber Spuren hinterlassen und müssen so schnell wie möglich einen neuen Ballon für den zweiten Fluchtversuch bauen.

Ohne dabei die zwischenmenschlichen ­Aspekte zu vernachlässigen, hält Herbig die Handlung als klassisches Rennen gegen die Zeit permanent in Bewegung und versucht, die zunehmend brenzligere Situation durch eine Atmosphäre der (An-)Spannung spürbar zu machen – durch das Gefühl der ständigen Beobachtung durch die Stasi oder durch die brodelnde Musik, die mit ihrem Willen zur permanenten Thrill-Erzeugung mitunter zu aufdringlich wirkt. Obwohl Plot-Mechanik und Handwerk zu sichtbar sind, ist dies über weite Strecken spannend.

Ballon D 2018, 120 Min., R: Michael Bully Herbig, D: Friedrich Mücke, David Kross, Karoline Schuch, Start: 27.9.

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