Slapstick

„Barfuß in Paris“ im Kino

Abel & Gordon haben sich auf der Bühne und im Kino seit 25 Jahren einen eigenen Mikrokosmos aus Clownerien und Poesie geschaffen

Foto: Film Kino Text

Die etwas linkische Bibliothekarin Fiona (Fiona Gordon, Foto, re.) erhält in ihrem böse verschneiten kanadischen Heimatdorf einen Brief von Tante Martha (Emmanuelle Riva, Mi.) aus Paris, in dem diese kundtut, dass man sie aus ihrer Wohnung werfen will. Gewappnet mit einem knallroten Rucksack und viel Naivität macht sich Fiona auf an die Seine. Was dort passiert, ist eine unfassbare Abfolge von Slapstick-Stunts, Albernheiten und poetischen Momenten.

Gefeiert wird vom kanadisch-belgischen Dreamteam Fiona Gordon und Dominique Abel als Regisseure, Autoren und Hauptdarsteller so manches: deren Gelenkigkeit mit 60 Jahren, die Stadt Paris, das Leben, die Liebe, die Freiheit und die Tradition eines Jacques Tati oder Harold Lloyd. Fiona begegnet vor Ort dem Clochard Dom (Abel, li.), mit dem sie nicht nur eine der faszinierendsten Tanzeinlagen der letzten Jahre aufs Parkett legt (nimm dies, „La La Land“!), sondern sich auch auf die Suche nach der umherstreifenden Martha macht, einer charmanten alten Dame mit ungezügeltem Freiheitsdrang.

Abel & Gordon haben sich auf der Bühne und im Kino seit 25 Jahren einen eigenen Mikrokosmos aus Clownerien und Poesie geschaffen. Wie bei den schönen Filmen ­„Rumba“ (2008) und „Die Fee“ (2011) bestechen sie auch hier nicht nur mit punktgenauem Einsatz von ­Musik, sie wissen auch die Möglichkeiten des Mediums Kino zu nutzen: mit Split-Screen-Sequenzen oder dem Lubitsch-Effekt ­(bestimmte Vorgänge jenseits der Kamera ­ablaufen zu lassen). Und Pierre Richard hat einen wunderbaren Kurzauftritt.

Paris pieds nus (OT) F/B 2016, 83 Min., R: Abel & Gordon, D: Fiona Gordon, Dominique Abel, Emmanuelle Riva, Pierre Richard, Start: 7.9.

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