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„Barney\s Version“ im Kino

Barney's Version

Paul Giamatti ist ein Schauspieler, der selten ins erste Glied tritt. Seit der Schlürferkomödie „Sideways“ ist er auf die qualifizierte Nebenrolle abonniert, auf die Positionen, in denen Attraktivität durch Charakter ersetzt werden kann. In „Barney’s Version“ hat Giamatti nun endlich einmal eine Hauptrolle, die ganz auf ihn zugeschnitten scheint. Barney Panofsky ist Produzent, seine Firma stellt „total unnötige“ Ware her, immerhin aber haben die nervtötenden Serien ihn reich gemacht. In dem Moment, in dem der Film beginnt, hat er seinen Höhepunkt aber deutlich überschritten – wir sehen einen gebrochenen Zyniker, der sein Whiskeyglas auf den Nachttisch stellt, durch das Glas verschwimmt der Filmtitel in ein unlesbares Zeichen. Diese schöne visuelle Idee könnte der Auftakt zu einer großen Erzählung sein, die in dem Roman des Kanadiers Mordecai Richler eine gewichtige Vorlage hat.
Doch Regisseur Richard J. Lewis findet nie so richtig in den Stoff hinein. Das mag mit Paul Giamatti zu tun haben, der diesen Barney mit so viel Gusto spielt, dass die wesentliche Frage übersehen wurde: Was ist eigentlich das Problem dieser Figur? Das bleibt in jeder Hinsicht unklar, sodass Barney Panofsky – obwohl es eigentlich wirklich nur um ihn geht – seltsam vage bleibt, sowohl in seiner leidenschaftlichen Liebe für Miriam (Rosamund Pike) wie auch in seiner Beziehung zu seinen europäischen Boheme-Freunden oder seinem Schwerenötervater, den Dustin Hoffman spielt. So viele Stationen sind hier zu absolvieren, dass kaum Zeit bleibt, um ein wenig auf die Figuren zu horchen. Deswegen bleibt alles anekdotisch, ein bisschen so, als ginge es hier nicht um einen Roman, sondern einen langen gespielten Witz mit einer bitteren Pointe. Gegen Ende taucht dann ohnehin noch ein weiteres Thema auf, von dem her alles davor Erzählte ein ganz neues Gewicht bekommt. Man kann sich dieses Gefühl kostbarer Vergänglichkeit gut vorstellen, um das es in „Barney’s Version“ wohl hätte gehen sollen, man wird es aus dem Film heraus aber nicht wirklich überzeugend nachvollziehen können.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Takashi Seida

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Barney’s Version“ im Kino in Berlin

Barney’s Version, Kanada/Italien 2010; Regie: Richard J. Lewis; Darsteller: Paul Giamatti (Barney Panofsky), Dustin Hoffman (Izzy Panofsky), Rosamund Pike (Miriam Grant-Panofsky); 134 Minuten; FSK 12

Kinostart: 14. Juli

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