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Barry Levinson\s „Inside Hollywood“

Die besten Abrechnungen mit Hollywood stammen immer noch aus Hollywood selbst. Art Linson muss es wissen: Seit mehr als 30 Jahren produziert er Filme, darunter finden sich der Klassiker „Car Wash“, „Heat“ von Michael Mann oder jüngst „Into the Wild“ von Sean Penn. Was er in diesen Jahrzehnten in seinem Beruf erlebt, gesehen und gehört hat, hat er aufgeschrieben: Line“„Bitter Hollywood Tales from the Front Line“ legt das Absurde eines Business offen, das mit Emotionen Geschäfte macht und dabei eiskalt kalkuliert. Und weil es ein äußerst unterhaltsames Buch ist, konnte es nicht lange dauern, bis ein Film daraus wurde: „Inside Hollywood“ mit einem beeindruckenden Stargastaufgebot: Robert De Niro, Bruce Willis, Sean Penn, Robin Wright Penn, Stanley Tucci, John Turturro.
In Barry Levinsons bissiger Satire spielt De Niro einen vom Pech verfolgten Produzenten: Das Publikum flieht aus einer Testvorführung, weil kurz vor Schluss ein Hund erschossen wird, sein Regisseur ist eine wandelnde Apotheke, und Bruce Willis erscheint auf dem Set mit Bierbauch und Rauschebart – wer die aktuellen Fotos von Ex-Schauspieler Joaquнn Phoe­­­nix gesehen hat, weiß, dass in diesem Fall die Wirklichkeit sogar tiefer unter die Gürtellinie schlagen kann als die Fiktion.
Knapp zehn Jahre ist es her, seit Levinson und De Niro ge­mein­­sam die schwarzhumorige Satire „Wag the Dog“ auf die Leinwand gebracht haben. Damals ging es um die Manipulierbarkeit der Medien, die sexuellen Eskapaden des Präsidenten und Kriege, die von in­nenpolitischen Skandalen ablenken sollten. Einen Monat nach der Filmpremiere im Dezember 1997 wurde die Affäre um Clinton und seine Praktikantin Lewinsky bekannt, was den Machern des Films den Ruf eintrug, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen.
Um für „Inside Hollywood“ die Abgründe des Filmbetriebs auszuloten, brauchte es sicher keine paranormalen Sinneskräfte. In der Filmindustrie ist man bekanntermaßen unmoralisch, prahlerisch, egoistisch, skrupellos, doppelzün­gig, intrigant – oder man ist nicht und ein Nichts. Diese Art von Selbstkritik wird gerne mit einem ironischen Augenzwinkern serviert: So ist es, aber seht her, was für tolle Filme trotz allem in diesem Haifischbecken entstehen.
Levinson erfindet das Genre Hollywood-Satire gewiss nicht neu. Manches hätte man sich böser und bissiger vorstellen können. Statt auf Übertreibung setzt Levinson lieber auf die Wahr­schein­lichkeit des Unwahrscheinlichen, darauf, dass seine Figuren ihre Marotten gerade so weit treiben, dass man nie sicher sein kann, ob es sich nicht auch in Wirklichkeit exakt so zutragen könnte. Robert De Niro zeigt (endlich wieder einmal), dass er komisch, subtil und in seiner Hilflosigkeit bewegend zugleich sein kann. Obwohl – mit seinem Auftritt im bärtigen Rabbi-Look stiehlt Bruce Willis ihm beinahe die Schau. Willis auf der Beerdigung eines Agenten, der Selbstmord begangen hat: „Ich sehe so viele Menschen heute hier, auf die ich lieber einen Nachruf halten würde als auf Jack.“

Text: Dietmar Kammerer

tip-Bewertung: Sehenswert


Inside Hollywood (What Just Happened?)
, USA 2007; Regie: Barry Levinson; Darsteller: Robert De Niro (Ben), Sean Penn (Sean Penn), Bruce Willis (Bruce Willis); Farbe, 105 Minuten

Kinostart: 26. März 2009

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