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„Beeswax“ von Andrew Bujalski im Kino

Am Beginn von „Beeswax“ stand die Idee, mit den Hatcher-Schwestern zu drehen: Bujalski kennt sie länger als ein Jahrzehnt und zieht einen interessanten Vergleich: „Wie ‚Avatar‘ uns gerade zeigt, handelt eines der beständigsten Themen des Kinos von Figuren, die sich in das Dasein eines anderen begeben, in einen anderen Körper wechseln – ähnlich, wie wir das als Zuschauer im Kino tun. Auch Zwillinge verkörpern diese Projektion. Insofern wäre es ein seltsames, aber reizvolles Double Feature.“
Ein Riesenunterschied liegt freilich in den Texturen der Filme. Bujalski ist ein Liebhaber von Zelluloid, der seine Filme sogar analog schneidet. Sein Purismus ist eine persönliche Präferenz, aus der er auch künstlerische Konsequenzen ableitet: „Es ist offensichtlich, dass ich unordentliche Kompositionen mag. Wir haben nie einen Vollzeit-Setdesigner beschäftigt und ziehen es vor, mit Orten zu arbeiten, die wir vorfinden“, sagt Bujalski. „In ‚Beeswax‘ wollten wir eine Weichheit, helle, mohnblumenhafte Farben – gut möglich, dass dies der hübscheste Film ist, mit dem ich je verbunden sein werde.“ Bujalski zeichnet eine Beobachtungsgabe für Menschen und die Räume aus, mit denen sie in Austausch stehen. Möglicherweise der Einfluss von Chantal Akerman, seiner Lehrerin in Harvard, für die er noch heute schwärmt: „Allein wie sich Chantal bewegte, wie sie lebte und atmete, hat großen Eindruck auf mich gemacht. 1998 sagte sie mir, ich solle aufhören, alle beeindrucken zu wol­len und einfach eine Komödie machen. Davor drücke ich mich immer noch – und das bedeutet wohl, dass ich die wichtigste Lektion von ihr noch nicht gelernt habe.“

Text: Dominik Kamalzadeh

tip-Bewertung: Herausragend

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Die ersten beiden Filme von Andrew Bujalski sind unter www.funnyhaha.com bzw. www.mutualappreciation.com erhältlich.

Beeswax, USA 2009; Regie: Andrew Bujalski; Darsteller: Tilly Hatcher (Jeannie), Maggie Hatcher (Lauren), Alex Karpovsky (Merrill); Farbe, 100 Minuten

Kinostart: 25. März 2010

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