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Ben Stillers „Tropic Thunder“ startet heute

Tropic ThunderStatt über Ben Stillers Kriegsfilmsatire Tropic Thunder zu lachen, riefen die Vertreter amerikanischer Behindertenverbände lieber zum Boykott auf. „Es war noch schlimmer als das abscheuliche Zeug in der Werbung“, beklagte sich Andrew Imparato, der Präsident der American Association of People with Disabilities. Dabei geht diese ganze Aufregung eigentlich am Kern von Tropic Thunder vorbei. Denn auch wenn Stiller in einem Film im Film auf extrem dämliche Weise einen geistig stark zurückgebliebenen Jungen namens Simple Jack verkörpert, werden keine Behinderten verspottet. Vielmehr zielen die Breitseiten auf die Hollywoodstars, die aus Karriere- und Oscar-Kalkül immer wieder gern den Gehandicapten geben.

Auch sonst geht es Stiller in seiner ersten Regiearbeit seit Zoolander (2001) vor allem darum, über Hollywood herzufallen und sich über Eitelkeiten und Gier zu mokieren, über Starallüren und -gehabe, Karriereabstürze und PR-taugliche Kinderadoptionen. Er feuert auf billige Erfolgsformeln und ebensolches Pathos, auf virulente Ideenlosigkeit und so ziemlich alles andere, worüber man sich bei der Traumfabrik lustig machen kann. Ausgangspunkt sind die Dreharbeiten zum teuersten Kriegsfilm aller Zeiten, für den eine Gruppe sehr unterschiedlicher Schauspieler durch die tropischen Sets kriecht.
Dazu gehört beispielsweise der karrieregeknickte Actionstar (Stiller), der aus der Sequelfalle ausbrechen will. Der drogensüchtige Brachialkomiker (Jack Black), der nicht mehr der König der Furz-Komödie im Eddie-Murphy-Style sein mag. Und der fünffache Oscar-Preisträger (Robert Downey Jr.), der die Herausforderung sucht, als Weißer einen Afroamerikaner zu spielen. Als der Dreh aus dem Ruder läuft, hat der Regisseur eine Idee: Er setzt seine Darsteller im Dschungel und damit einem echten Drogenkrieg aus, ohne dass die davon jedoch etwas ahnen.

Während in dem abstrusen Story-Konstrukt munter mit den Metaebenen jongliert wird, kollidieren derber Hauruck-Humor, gnadenlose Satire und respektlose Filmparodien – nicht nur auf Apocalypse Now und andere Vietnamfilm-Klassiker. Vor allem zwei Schauspieler stechen dabei noch einmal aus dem furchtlosen Ensemble heraus: Tom Cruise wird mit Bauch, Bart, Haarkranz und heftigen Verbalausfällen zum schmierigen Studioboss-Arschloch. Und der verlässlich großartige Downey Jr. gibt den besessenen Method-Actor, der sich eigens für seine Rolle sogar umpigmentieren ließ. Natürlich funktioniert dabei nicht alles und auch nicht jeder Gag, doch die Einschläge kommen dicht in dieser Kamikazekomödie, die keine Gefangenen nimmt und hemmungslos über Leichen geht.

Text:
Sascha Rettig

Sehenswert

Tropic Thunder

USA 2008;
Regie: Ben Stiller;
Darsteller: Ben Stiller (Tugg Speedman), Robert Downey Jr. (Kirk Lazarus),
Jack Black (Jeff Portnoy);
Farbe, 107 Minuten;
Kinostart: 18. September 2008

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