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„Benda Bilili!“ im Kino

Benda_BililiAls die beiden französischen Dokumentarfilmer Florent de la Tullaye und Renaud Barret zufällig bei Dreharbeiten in einem Armenviertel Kinshasas, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, die Musikband „Staff Benda Bilili“ endeckten, waren sie von der mitreißenden Vitalität und Energie der Musiker derart begeistert, dass sie sofort ihre anderen Projekte fallen ließen und beschlossen, einen Film über die Musiker zu drehen. Im Gegenzug versprachen sie den Musikern, ihnen zu helfen in Europa bekannt zu werden. In ihrem Film „Benda Bilili!“ begleiten sie die Gruppe von 2005 bis 2009 auf ihrem langen und mit vielen Widrigkeiten gepflasterten Weg zum internationalen Ruhm.

Aber dies ist nicht nur ein Film über Musik, hier wird unaufdringlich auch der soziale, politische und geografische Kontext des Molochs Kinshasa mit seinen acht Millionen Einwohnern evoziert, besonders auch das Schicksal der unzähligen Straßenkinder. Eines von ihnen ist Roger mit seiner aus einer Milchdose gebastelten einsaitigen Gitarre, der von Ricky, dem Gründer der Band, „adoptiert“ wird und sich im Laufe der Jahre zu einem der dynamischsten Musiker der Band entwickelt. „Es ist nie zu spät im Leben“, so heißt die erste CD von Benda Bilili, die sie mithilfe der beiden französischen Regisseure in einem Studio aufnahmen.

Fast alle Musiker leiden an den Folgen von Kinderlähmung und können sich nur mit ihren aus alten Fahrrädern zusammengebastelten Rollstühlen fortbewegen. Der ungebrochene Optimismus, der sich in ihrer Musik und in den Texten ihrer Songs widerspiegelt und sich auch auf das Publikum überträgt, ist aber keinesfalls naiv oder blauäugig, sondern entspricht eher der Lebenseinstellung, sich nicht unterkriegen zu lassen. So reproduziert der Film nicht die gängigen Klischees eines fatalistischen, mitleidheischenden Afrikas. „Eines Tages werden wir die berühmtesten Behinderten Afrikas sein“, hatte Ricky seinen Gefährten in Kinshasa versprochen. Und er behielt recht – die Konzerte von Staff Benda Bilili sind bereits bis Ende 2011 ausgebucht.

Text: Barbara Lorey

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Benda Bilili!“ im Kino in Berlin

Benda Bilili! Frankreich 2010; Regie: Renaud Barret & Florent de la Tullaye;
86 Minuten; FSK 6

Kinostart: 19. Mai

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