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„Benedict, Michael und Oscar“ von Lars Penning

Lars Penning

Soll man die Oscar-Verleihung wirklich ernst nehmen? Dass dort nicht wirklich die besten Filme und Darsteller des Jahres ausgezeichnet werden, weiß ja eigentlich jeder. Da braucht man sich nur einmal die Webseite der amerikanischen Film Academy mit den Preisträgern der Vergangenheit anzusehen und findet: jede Menge Filme und Leute, an die sich kein Mensch mehr erinnern kann. Aber egal, denn Spaß macht das jährliche Mitraten natürlich trotzdem. In diesem Jahr findet es am 22. Februar statt. Nimmt man die kürzliche Golden-Globe-Verleihung als Indikator, dann ist Richard Linklaters Coming-of-Age-Drama „Boyhood“ zweifellos der große Favorit für den Oscar als bester Film, aber auch dem Bürgerrechtsdrama „Selma“ sowie dem Thriller „The Imitation Game“ um Enigma-Entschlüssler Alan Turing würde ich hier Chancen einräumen. Komplett offen erscheint mir vor allem das Rennen um den Preis für den besten Hauptdarsteller: Steve Carell in dem abgründigen Ringerdrama „Foxcatcher“, Michael Keaton als verunsicherter Schauspieler in Alejandro Gonzalez Inarritus „Birdman“ und Benedict Cumberbatch als Alan Turing könnten da gleichermaßen das Rennen machen. Aber vielleicht gewinnt ja auch ein anderer: jemand, an den sich bereits in zehn Jahren niemand mehr erinnern kann.

Text:
Lars Penning

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