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Berlinale 2009: Tempelhof soll leben

Eine große Vision: Der Flughafen als Filmhafentip Sie haben ein Nutzungskonzept für Tempelhof ausgearbeitet, das eine Art Kreativzentrum der Filmindustrie vorsieht – mit Produktionsstätten, Kostümfundus, Veranstaltungshalle und Apartment-Komplex. Dazu gehört auch die Ansiedlung internationaler Filmfirmen. Gibt es dafür bereits ernsthafte Interessenten?
Christoph Fisser Das Interesse an unserer Idee vom Filmhafen Tempelhof ist riesengroß, egal mit wem wir sprechen. Das Gebäude ist als Mutter aller Flughäfen auf der ganzen Welt bekannt. Wir haben bereits mit amerikanischen Majors gesprochen, die sich durchaus vorstellen können, ihre Europazentralen von London nach Berlin zu verlegen. Aber auch in anderen Bun­desländern gibt es Interessenten: Viele Produktionsfirmen und Dienst­leister erkennen, dass sich das Filmgeschäft in Deutschland immer stärker nach Berlin verlagert: „Keinohrhasen“, „Effi Briest“, „Der Baader Meinhof Komplex“, „Ano­nyma“ – alles Produktionen, die in unserer Region entstanden sind. Selbst die großen Firmen aus München und Köln produzieren mittlerweile hier, weil wir die bes­ten Crews und die besten Drehbedingungen haben.
Carl Woebcken Natürlich brauchen wir ein paar große Unternehmen als Ankermieter, die wiederum kleinere Firmen anziehen. Wir trauen uns aber zu, eine zügige und effiziente Ansiedlung der Filmbranche zu erreichen, die ohne uns nicht möglich wäre, weil das Know-how und die Kontakte fehlen. Einige Firmen sind sogar von sich aus auf uns zugekommen, weil sie von unserem Konzept gehört haben.

tip Gleichzeitig sollen Teile des Komplexes für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Fisser Ja, das Gebäude soll leben und für alle Berliner zugänglich sein.
Woebcken Die zentrale Abflughalle würde sich wunderbar als Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst eignen. Auch eine Nutzung für Großveranstaltungen wäre denk­bar. Wir haben schon verschie­dene Umbauvarianten planen lassen. Darüber hinaus ließen sich his­torische Touren über das Gelände mit Setbesichtigungen verbinden, bei denen die Aura des Filmemachens zu spüren ist. Ein Teil der Hangars könnte für Events und als Museum genutzt werden. Die Firma, die dort bereits Events veranstaltet, möchte sich gerne vergrößern. Das würden wir begrüßen, solange das Management der Immobilie in einer Hand bleibt.

tip Und zwar in Ihrer Hand …
Fisser Wir würden gerne die Gesamtverantwortung übernehmen, um das Gebäude sinnvoll zu füllen, sodass einerseits Synergieeffekte für die Firmen entstehen, die sich dort ansiedeln, und andererseits die ganze Stadt etwas davon hat.
Woebcken Die Teilnutzungen dürfen sich nicht gegenseitig beeinträchtigen. Die Idee, dort mehr­tägige Rockkonzerte auszutragen, lässt sich zum Beispiel allein schon wegen der Lautstärke nicht mit einer Büronutzung vereinbaren.

tip Was soll die Realisierung Ihres Konzeptes kosten?
Fisser Eine Kalkulation können wir erst dann vorlegen, wenn wir alle relevanten Zahlen kennen. Wir wissen zum Beispiel noch nicht, wie hoch die Nebenkosten ausfallen und welche Verpflichtungen mit einem Betrieb verbunden sind. Wir wollen aber keine subventionierten Flächen. Wir werden Miete zahlen wie jeder andere auch, weil wir glauben, dass wir den Komplex so betreiben können, dass er kein Minus mehr einfährt, wie es im Augenblick der Fall ist.

tip Planen Sie eine Wiederaufnahme des privaten Flugbetriebs?
Woebcken Das ist für uns kein Thema.
Fisser Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das Luftfahrt-Bundesamt das zulassen würde.

Interview: Heiko Zwirner

Lesen Sie das vollständige Interview in tip 03/09 auf Seite 31.

www.filmhafen-tempelhof.de

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