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Berlinale-Gewinner für das Heimkino: Monster

tip DVD Kollektion Nr.6: Monster„Ich bin jemand, der das menschliche Leben wirklich hasst, ich würde jederzeit wieder töten“, sagte Aileen Wuornos in ihrem letzten Interview, bevor sie am 9. Oktober 2002 im Alter von 46 Jahren wegen siebenfachen Mordes im Florida State Prison mit einer Giftspritze hingerichtet wurde.
„Ich hoffe, Ihre Frau und Ihre Kinder werden auch vergewaltigt und in den Arsch gefickt!“, schrie Amerikas erste weibliche Serienmörderin dem Richter entgegen, der sie zum Tode verur­teilte. Grobschlächtige Aussprüche wie dieser verhinderten die Stilisierung Wuornos’ zu einem feminis­tischen Racheengel. Stets hatte die bisexuelle Ex-Prostituierte beteuert, in Notwehr gehandelt zu haben. Die sieben Männer, die sie niederschoss, hätten sie vergewaltigt oder es zumindest versucht. „Ich hoffe, ihr werdet alle grausam sterben. Schämt euch, eine vergewaltigte Frau in den Tod zu schicken.“
Als nach der Berlinale-Premiere Regisseurin Patty Jenkins erklärte, dass sie ihren Erstlingsfilm in der Tradition von „Badlands“ und „Bonnie and Clyde“ sehen würde, beides Werke, die von ihren wi­dersprüchlichen Charakteren leben, da erstrahlte neben ihr die schöne Hauptdarstellerin Charlize Theron. Es fiel schwer, diese Lichtgestalt in Einklang mit der White-Trash-Serienmörderin aus dem Film zu bringen. Mit 14 zusätzlichen Kilos, einem künstlichen Überbiss, flecki­gem Make-up und breitschultrigem, übertriebenem Cowboygang hatte Theron sich in die Filmrolle eingefühlt. Wer eine solche Verwandlung auf der Leinwand hinlegt und gleich danach engelsgleich hübsch über den roten Teppich schwebt, versetzt die Branche ins Staunen.
Jenkins’ sensibles Porträt einer intelligenten, aber emotional schwer verletzten Frau auf der Suche nach Liebe ist deshalb auch als Char­lize-Theron-Metamorphosenspektakel in die Filmgeschichte eingegangen. Doch der gradlinig erzählte Film wartet auch mit einer schrägen Lovestory zwischen Wuornos und der kleinen Tyria Moore (Christina Ricci) auf. Ricci hat Theron mit ihrem zurückhaltenden Spiel hier zwar wenig entgegenzusetzen. Doch Jenkins kostet das feministische Potenzial der Story in rührenden Szenen der Zweisamkeit aus. Schon das gemeinsame Biersaufen vor dem Fernseher im heruntergekommenen Motel wird da zur Romanze.

Text: Jörg Buttgereit

Die Story hinter dem Film.

Monster (tip DVD Kollektion Nr. 6), USA 2003; Regie: Patty Jenkins; Darsteller: Charlize Theron (Aileen Wuornos), Christina Ricci (Selby Wall), Bruce Dern (Thomas); Farbe, 111 Minuten

Bisher erschienene Filme: In This World, Stammheim, Esmas Geheimnis, Music Box, Bloody Sunday

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