Berlinale 2012

„Bai Lu Yuan“ im Wettbewerb – die Filmkritik

Bai Lu Yuan

„Wenn du die neue Uniform trägst, wirst du dich gleich viel jünger fühlen!“ versichert der Freund, der bereits ganz vom Geist der neuen Zeit erfüllt ist. Aber der Patriarch ist misstrauisch. Seit der Absetzung des Kaisers sind die Verhältnisse undurchsichtig geworden, die Machthaber wechseln einander ab und unterscheiden sich nur in Graden an Brutalität und Rücksichtlosigkeit; ausgebeutet wird die Landbevölkerung nach wie vor. Wang Quan’ans neuer Film spielt in der schreckensreichen Zeit der Warlords, die 1912 beginnt und 1938 endet, als China mitten im Krieg gegen Japan steckt. Von den Umbrüchen erzählt er freilich aus der Perspektive der Kontinuität: Die Verfilmung des berüchtigten Romans Chen Zhongshi’s handelt im Kern von Stammeszugehörigkeit. Die fruchtbare Landschaft der Provinz Shaanxi, der Heimat des Regisseurs, spielt eine Hauptrolle. Lutz Reitemeier filmt sie in goldenen, warmen Farbtönen als widerständige Idylle: in beklemmendem Kontrast zu den Gräueln, die sich in ihr zutragen. Es trifft sich gut, dass die Handlung vor der blutigen Machtergreifung der Kommunisten endet; politisch unverfänglich ist das Epos dadurch aber noch nicht. Den Weizenfeldern allerdings ist es gleichgültig, wer gerade regiert.

Text: Gerhard Midding

Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer 

Bai Lu Yuan, China 2011; Regie: Wang Quan’an; Darsteller: Zhang Fengyi, Zhang Yuqi, Wu Gang; 176 Minuten

Wettbewerb
16.02., 10.00, Haus der Berliner Festspiele
16.02., 14.15, Friedrichstadtpalast
19.02., 18.00, Friedrichstadtpalast

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