Berlinale 2012

Berlinale 2012: Avi Mograbi

Avi Mograbi

Provokativ und bei allem bitteren Witz nie einfach gefällig sind die Arbeiten von Avi Mograbi. 1956 in Tel Aviv geboren, beleuchtet der Filmemacher in seinem Werk die zahlreichen Facetten des Konflikts zwischen Israel und Palästina und hebt sie, sich selbst als Figur ins Geschehen einmengend, auf komplexe Ebenen.
„Z 32“ zum Beispiel, eine seiner jüngsten Dokumentationen, widmet sich einem jungen israelischen Elitesoldaten, der vor der Kamera die Chance zur Beichte nutzt: Er war mit seiner Einheit während der zweiten Intifada an der Ermordung zweier palästinensischer Polizisten beteiligt und pendelt nun in seiner Rede zwischen Reue und der Erinnerung an das Adrenalinhoch seiner Tat. Der Soldat bleibt dabei anonym versteckt hinter einer Maske, digitaler Pixelkunst sei Dank.
Zur Berlinale reist Avi Mograbi zwar ohne frisches Material an, arrangiert jedoch alte Bilder neu. So begleiten in seiner Performance im HAU 2 die Musiker Adam Shaflan, Ariel Armoni, Yoni Silver und Noam Enbar (er hat auch die Musik zu „Z 32“ komponiert) zunächst Mograbis „At the Back“, ein Video, das vor 13 Jahren entstand. Es zeigt Avi Mograbis damalige Frau, wie sie in Japan durch Straßen schlendert, an Haltestellen wartet und einen Tempel besucht, 32 Minuten lang. Der Soundtrack, ergänzt mit Textfragmenten von Lewis Carroll, könnte ein neues Echo auf den Film und vielleicht auch auf die Ehe zurückwerfen, die keine mehr ist.
Danach steht „The Details“ auf dem Plan, eine Live-Videokomposition simultan auf vier Leinwände projiziert. Sie zeigt über viele Jahre gesammeltes Doku-Material über Einzelheiten des israelisch-palästinensischen Konflikts. „VJing wäre eine Möglichkeit, das Procedere zu beschreiben“, sagt Avi Mograbi auf Nachfrage. „Aber das Ganze soll einen Panorama-Effekt herstellen, mit parallelen Bildern und einem Wechselspiel verschiedener Situationen, die gleichzeitig stattfinden. Es wird eine wilde Darstellung meiner Sicht auf die nüchternen Details der israelischen Besetzung seit 1967.“ Einmal mehr arrangiert Avi Mograbi seine subjektive Erforschung von Geschichte und Gegenwart Israels zu einer kontroversen Darstellung mit größerem Rahmen.

Text: Cristina Moles Kaupp

Avi Mograbi: At The Back/The Details (Forum Expanded), Sa 18.2., 21.30, HAU 2

Konzerttickets: HAU/Hebbel am Ufer
www.hebbel-am-ufer.de

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