Berlinale 2012

Das Objekt der Begierde: Der Goldene Bär

Der Goldene BärWenn die Berlinale beginnt, fängt es wieder an, dann hoffen Filmemacher und Zuschauer, dass ihr Wettbewerbsbeitrag am Ende den Goldenen Bären erhält. In den Berliner Tageszeitungen und im Internet werden Listen geführt, die Chancen der Filme wie im Wettbüro auf- und abgerechnet. Am Ende steht dann meist Ernüchterung, nur für wenige Filme ist die Bären-Vergabe ein Happy End. Aber davon können später nicht alle Preisträger profitieren. Nicht jeder Wettbewerbsfilm startet regulär im Kino, auch dann sind Zuschauerzahlen nicht garantiert: „Tropa de Elite“ ging 2009, anderthalb Jahre nach seiner Auszeichnung mit dem Goldenen Bären, in den Filmtheatern fast unbemerkt unter. Schlechtes Timing? „Man darf nicht zu lange warten,“ meint Manuela Stehr, Chefin des Berliner X Verleihs, „sonst ist der Berlinale-Erfolg bei den Zuschauern nicht mehr präsent.“ Stehr, die den Cannes-Gewinner „Das weiße Band“ ins Kino gebracht hat, versteht Filmpreise als „eine Art Garantie für den Zuschauer, einen ordentlichen Film gezeigt zu bekommen.“ Ihr Kollege Arne Höhne von Piffl Medien, Verleiher von „Bal – Honig“ (Goldener Bär 2010) und Christian Petzolds diesjährigem Wettbewerbsfilms „Barbara“, sieht das ähnlich. „Eine Berlinale-Auszeichnung ist ein Qualitätssiegel,“ sagt Höhne. „das hilft allen Filmen, wie sehr, hängt nur vom jeweiligen Publikums­potenzial ab.“ Bei „Bal“ habe die Auszeichnung „in allen Bereichen geholfen,“ 130?000 Zuschauer hätte der Film sonst kaum gefunden. Auszeichnungen, Berlinale- bzw. Wettbewerbsteilnahme werden in Zeiten stetig wachsender, unübersichtlicher Startpläne immer wichtiger: Für Medien und Zuschauer, deuten Höhne wie Stehr an, seien das wichtige, nötige Bezugspunkte. Eine andere Position nimmt Georg Kloster, Kinobetreiber und Chef der Yorck-Gruppe ein. „Hilfreich ist ein Berlinale-Bär für die Filme, die bereits während der Berlinale im Fokus stehen,“ erklärt Kloster, für die meisten Wettbewerbsfilme sei es schwer, überhaupt aufzufallen. „Die Berlinale strotzt dermaßen von Ereignissen, dass Außenstehende nicht erkennen, welche Filme tatsächlich im Wettbewerb laufen.“ Es sei befremdlich, wenn „wie oft geschehen, wenig beachtete Film einen Bären erhalten. Die spätere Aufmerksamkeit beim Kinostart bleibt – oft auch in den Medien – gering.“ Der Berlinale-Gewinn ist nicht immer und für alle auch ein echter Erfolg.

Text: Thomas Klein

Foto: Ali Ghandtschi / Berlinale

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