Berlinale 2012

„Dictado“ im Wettbewerb der Berlinale 2012 – Die Filmkritik

Dictado

Es beginnt mit einem Sternenhimmel. Vater und Sohn liegen im Freien und als sich am Firmament eine Sternschnuppe ihren Weg sucht, fordert der Vater den Sohn auf: „Wünsch Dir was. Aber Du darfst es niemandem jemals verraten.“ Gerade der letzte Satz wird für Daniel (Juan Diego Botto), die Hauptfigur in Antonio Chavarrнas Wettbewerbsbeitrag „Dictado“, später zu einer Art Prophezeiung – und damit tragischerweiser zu einer Art Lebensmotto. Ein traumatisches Kindheitserlebnis wird Daniel in seinem Leben begleiten.
Über Jahre gelingt es ihm, dieses Trauma zu unterdrücken und zumindest nach außen ein normales Leben zu führen. Seine Beziehung zu Laura (Barbara Lennie) ist zwar kinderlos, aber glücklich. Erst als der Schriftsteller Mario (Marc Rodriguez) nach Jahren plötzlich wieder auftaucht, bekommt die Fassade erst Risse. Mario war einst Daniels bester Freund und weiß nicht nur um dessen Geheimnis, sondern war an dem tragischen Ereignis mit beteiligt.
Als sich Mario wenig später das Leben nimmt und Laura beschließt, Marios Tochter Julia (Magica Perez) bei sich aufzunehmen, beginnt für Daniel die offene Konfrontation mit den Dämonen seiner Kindheit. Denn Julia scheint über den lang vergangenen Vorfall mehr zu wissen, ihm lieb sein kann.
Aus diesem Plot hätte Regisseur Chavarrнas einen durchaus veritablen Psychothriller oder gar Horrorstreifen drehen können. Das geheimnisvolle Kind, die ahnungslose und liebevolle Freundin und schließlich die Hauptfigur, die sich mehr und mehr in die Enge getrieben fühlt. Doch Chavarrнas verlässt sich allein auf die Spannung seiner Auflösung und erzählt seine Geschichte in oft nervend-gemächlichem Tempo, verzichtet auf jeden Schockeffekt – und verzettelt sich in teilweise unnötig langen Dialogen. „Dictado“ ist leider nicht mehr als die Darstellung eines Traumas und kratzt bei der Aufarbeitung lediglich an der Oberfläche.

Text: Martin Zeising

Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Dictados, Spanien 2011; Regie: Antonio Chavarrнas; Darsteller: Juan Diego Botto, Bбrbara Lennie, Mбgica Pйrez; 95 Minuten

Wettbewerb
12.02., 15.15., Friedrichstadtpalast
12.02., 22.45, Haus der Berliner Festspiele

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