Berlinale 2012

Die Filmkritik: „Was bleibt“ im Wettbewerb

Die Heidtmanns sind eine typische Familie aus der Mittelschicht der alten Bundesrepublik. Man ist weltoffen, etwas wohlhabend und wohnt in einem klassisch-modernen Neubau in der Nähe von Bonn. Günter ist Verleger im Ruhestand, seine Frau Gitte leidet seit Jahrzehnten unter Depressionen. Die Söhne Marko und Jakob sind Mitte 30 und suchen nach ihrem Platz im Leben.
Ein Sommer-Wochenende ändert das Leben der Heidtmanns gründlich. Als Gitte verkündet, dass sie ihre Psychopharmaka nicht mehr nimmt, erntet sie ungläubiges Entsetzen. Das Absetzen der ruhigstellenden Medikamente kippt eine lang praktizierte Familienbalance aus Schonung, Verheimlichung und Lüge. Es wird keinen Ausbruch von Gewalt geben, die Katastrophe breitet sich stattdessen wie ein Schwelbrand aus. Am Ende verschwindet jemand, und das Leben geht weiter.
In seinem fast kammerspielartigen Wettbewerbsfilm „Was bleibt“ weitet Regisseur Hans-Christian Schmid geschickt den Blick auf eine normale Familie. Schritt für Schritt  kommt ihr Unglück zum Vorschein. Ein wuchtiges Drama, das sich wie nebenbei entwickelt. Nicht zuletzt ein Verdienst des ausgezeichneten Ensembles. Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner und Sebastian Zimmler überzeugen als Angehörige eines geschlossenen Systems.

Text: Volker Gunske

Foto: Gerald von Foris / Filmproduktion GmbH

Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Was bleibt, Deutschland 2012; Regie: Hans-Christian Schmid; Darsteller:  Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Sebastian Zimmler, Ernst Stötzner, Picco von Groot; 84 Minuten

Wettbewerb
15.02., 09.30, Friedrichstadtpalast
16.02., 20.30, Haus der Berliner Festspiele

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