Berlinale 2012

Die Jury der Berlinale 2012

Mike LeighDie internationale Jury hat für die Berlinale besondere Bedeutung: Für zehn Tage sind die Jury-Mitglieder auch Festivalbotschafter und mediales Aushängeschild, ihre Entscheidungen bestimmen in nicht unerheblichem Maß die Bewertung eines ganzen Festivaljahrgangs. In den letzten Jahren war die Jury-Besetzung nicht frei von Pannen; unvergessen, wie die Jurorinnen Sandrine Bonnaire und Susanne Bier der Berlinale 2008 zum Festivalauftakt einen Korb gaben. Ob Modeschöpfer
Nino Cerruti, Autor Henning Mankell oder „Food-Aktivistin“ Alice Waters in das Spitzen-Gremium eines A-Festivals passen, oder sich Roland Emmerich als Jury-Präsident eignet, sorgte ebenfalls für Diskussionen. Die Kinderkrankheiten scheinen Dieter Kosslick und die Berlinale überwunden zu haben.
Den Vorsitz übernimmt mit Mike Leigh (Foto) ein renommierter Regisseur des „New British Cinema“, der schon oft mit Filmen in Berlin war. Auch Leighs Kollege Francois Ozon und die Schauspielerin Charlotte Gainsbourg sind alte Bekannte der Berlinale; Barbara Sukowa vertritt diesmal den deutschen Film, Jake Gyllenhaal kommt aus Hollywood nach Berlin. Aber es geht auch um Politik: Fotograf und Filmemacher Anton Corbijn hat gerade die lose auf dem Fall Murat Kurnaz basierende le Carrй-Geschichte „A Most Wanted Man“ gedreht, mit dem algerischen Schriftsteller Boualem Sansal gibt es auch in der Jury Bezug zum Aufbruch in Nahost. Im letzten Jahr wurde der iranische Regisseur Jafar Panahi in die Jury berufen, der leere Platz des inhaftierten Filmemachers war für zehn Tage Erinnerung und Mahnung. In diesem Jahr wird wohl kein Platz frei bleiben, aber mit
Panahis Landsmann Asghar Farhadi bleibt der Iran Thema: Für „Nader und Simin“ hat Farhadi 2011 den Goldenen Bären und gerade eine Oscar-Nominierung erhalten.
Diese Kombination aus Kino, Kunst und kritischem Bewusstsein in der diesjährigen Jury stimmt optimistisch für den „Goldenen Bären“ 2012.

Text: Thomas Klein

Foto: Thin Man Films

Mehr über Cookies erfahren