Berlinale 2012

Die Sektion „Kplus“ auf der Berlinale 2012

Die Kinder vom Napf

Für den erwachsenen Zuschauer mögen die 14plus-Filme aufregender sein als die von Kplus, aber das spricht nicht gegen den traditionellen Kinderfilm, der zum einen für seine Zielgruppe eine Berechtigung hat, aber darüber hinaus auch vermittelt, wie man schwierige Themen so erzählen kann, dass sie auch für Kinder verständlich sind. Zum Beispiel im holländischen Film „Patatje Oorlog“ (Gute Chancen): Kiek macht sich Sorgen um ihren Vater, der als Arzt in einem Kriegsgebiet tätig ist. Den Satz ihrer Mutter, es sei alles eine Frage von Wahrscheinlichkeiten, münzt sie auf ihre Weise um. Wenn sie ein totes Tier hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie nicht zusätzlich einen toten Vater hätte. Aber wie befördert man eine Maus oder einen Hund zum Tode? Der Film wechselt bei diesen heiklen Fragestellungen mehrfach zu witzigen Trickfilmen, wird schließlich aber doch realistisch: eine Art, mit der Wirklichkeit umzugehen.
Dass die Wirklichkeit manchmal selber die schönsten Geschichten schreibt, stellt der Film „Die Kinder vom Napf“ der Schweizer Filmemacherin Alice Schmid eindringlich unter Beweis. Dieser Dokumentarfilm eröffnet zu Recht das Kplus-Programm, erzählen die Bergbauernkinder doch ebenso präzise wie fantasievoll von sich und ihrem Alltag in dieser ebenso imposanten wie unwegsamen Landschaft, in der schon der lange Schulweg ein Abenteuer ist.
Und selbst ein Zeichentrickfilm wie der französische „Zarafa“, der von der Freundschaft eines afrikanischen Jungen mit einer Giraffe erzählt, die es beide nach Paris verschlägt, baut Themen wie Kolonialismus und Sklaverei ein, während der estnische Film „Lotte und das Geheimnis der Mondsteine“ wie schon sein Vorgänger vor allem durch seine skurrilen Figuren besticht. Gespannt darf man zudem darauf sein, wie der Einsprecher im kurzen britischen Animationsfilm „Being Bradford Dillman“ dem kindlichen Publikum klarmachen wird, was es mit dem nicht vorhandenen Willie der Protagonistin auf sich hat. Die Kindheit ist schneller vorbei, als man denkt.

Text: Frank Arnold

Lotte und das Geheimnis der Mondsteine
13.2. 9.30 HKW 1
14.2. 14.00 CinemaxX 3
15.2. 10.00 FaF

Die Kinder vom Napf
10.2. 15.30 HKW 1
11.2. 14.00 CinemaxX 3
12.2. 10.00 FaF
12.2. 18.30 Toni & Tonino

Patatje oorlog
12.2. 12.30 HKW 1
13.2. 15.30 FaF
14.2. 11.30 CinemaxX 3

Zarafa
12.2. 10.00 HKW 1
13.2. 11.30 CinemaxX 3
14.2. 15.30 FaF

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