Berlinale 2012

„Elles“ auf der Berlinale 2012

Elles

Sexualität und Geschlechterrollen – ein ebenso endloses Thema wie die Betrachtungen über Sex für Geld. Mit Prostitution unter Pariser Studentinnen beschäftigt sich die Reportage der „Elle“-Journalistin Anne. Juliette Binoche verkörpert diese Power- und Allroundfrau, gesegnet mit zwei Söhnen und einem selbstherrlichen Ehemann, der gern über Weine und Luxusautos salbadert und keinen Moment in Frage stellt, dass Anne abends nach getaner Arbeit mit aller Raffinesse auch mal seinen Chef bekocht und dabei noch Sex-Appeal verströmt.
An Interviews mit Prominenten wie Tom Ford gewöhnt, lässt ihre aktuelle Reportage Anne immerhin etwas über ihren Tellerrand blinzeln. Denn mit Lola und der Polin Alicja trifft sie zwei Studentinnen, die genau wissen, wie ein Leben in Armut schmeckt. Ein Studium in Paris ist ohne elterliche Finanzspritze schon lang unmöglich geworden, der Weg in die Prostitution lag für die Mädchen nahe. Läuft der „Deal“ dabei doch schneller und angenehmer ab als ein Job bei einem Fastfood-Restaurant. Das Anschaffen nun wieder aufzugeben sei so schwierig wie mit dem Rauchen aufzuhören. Die beiden haben sich an das viele Geld gewöhnt, Bedenken über AIDS, Gewalt und Erniedrigung trüben ihre Naivität wenig. Während Lola die Unschuld vom Lande mimt und bestenfalls an den Lügen ihres Gewerbes leidet, bedient Alicja die Fantasien reifer Ehemänner. Beide betrachten Sex kühl als Tauschgeschäft, dem sie nur zu gern ihre Illusionen opfern.
Regisseurin Malgoska Szumowska bebildert „Elles“ mit nicht allzu verstörenden Fantasien und paart sie mit reduzierten feministischen Ansätzen. Das leise Fazit von „Elle“ versteckt sich hingegen im Schlussakkord: Männer sind nur unter fünf Jahren eine Wonne und taugen ausgewachsen maximal zum Öffnen von Marmeladengläsern.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Szymon Roginski

Elles (Panorama)
10.2., 20.30, International
11.2., 13.30, CinemaxX 7
12.2., 14.30, Cubix 9
17.2., 18.00, Friedrichstadt-Palast

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