Berlinale 2012

Filmkritik: „Aujourd’hui“ im Wettbewerb

Aujord'hui

Satchй, ein senegalesischer Mann in mittleren Jahren, wird an dem Tag, von dem Alain Gomis in „Aujourd’hui“ erzählt, sterben: Das ist die Prämisse dieses Films, der seinen Titel also ganz wörtlich nimmt. „Heute“ ist heute, in diesem Fall gibt es für Satchй kein Morgen. Warum das so ist, und wie das möglich ist, wird nicht weiter thematisiert. Was einzig zählt, ist dieses Wissen: Satchй hat nur noch diesen Tag. Diese Idee reicht Alain Gomis für einen Spielfilm, der auf erregende Weise zwischen reiner Unmittelbarkeit und melancholischem Abschied ausgespannt ist. An diesem Tag durchquert Satchй (ausgezeichnet gespielt von dem Rapper und Slampoeten Saul Williams) noch einmal die ganze senegalesische Gesellschaft: zu einer Abschiedsfeier, die man im Rathaus für ihn und ein paar andere Todgeweihte arrangiert hat, kommt er zu spät, dafür gerät er aber in einen Aufruhr, der die politischen Autoritäten in Frage stellt. In der Halbwelt von Dakar macht er ebenso Station wie bei seiner Geliebten, einer eleganten, ein wenig verbitterten Galeristin. Einen Ausweg gibt es nicht, nur diesen Weg, an dessen Ende der Film in die Dunkelheit fällt und ein Rätsel zurücklässt, das noch lange nachwirken wird.

Text: Bert Rebhandl

Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Aujourd’hui, Frankreich/Senegal 2011; Regie: Alain Gomis; Darsteller: Saül Williams, Aпssa Maпga, Djolof M’bengue, Anisia Uzeyman; 86 Minuten

Wettbewerb
11.02., 09.30, Friedrichstadtpalast
11.02., 22.30, International
12.02., 20.30, Haus der Berliner Festspiele

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