Berlinale 2012

Filmkritik: „Cesare Deve Morire“ im Wettbewerb

Cesare Deve Morire

Dass William Shakespeare zu nahezu jedem Thema etwas Kluges zu sagen hatte, weiß nicht nur jeder Leser von populären Zitate-Lexika. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Vittorio und Paolo Taviani in ihrem gelungenen Wettbewerbsbeitrag „Cesare deve morire“ durchaus schlüssige Analogien zwischen Shakespeares Drama „Julius Caesar“ und dem Leben der Häftlinge im Hochsicherheitstrakt des römischen Gefängnis Rebibbia finden, die eben jenes Stück proben, um es am Ende in öffentlichen Vorstellungen aufzuführen. Schließlich geht es in „Julius Caesar“ um Freiheit und Tyrannei, um Loyalität und Verschwörung, um die Frage nach ehrenwertem Verhalten und nicht zuletzt um die Macht des Wortes – Themen also, die das Leben der Insassen, die sich zuvor vor allem mit Mord, Drogenhandel und anderen mafiösen Schwerverbrechen beschäftigten, zwangsläufig berühren.
Die Tavianis haben sich dafür entschieden, diesen Stoff jedoch nicht als eine konventionelle Dokumentation zu behandeln. Statt dessen nehmen sie mit großem handwerklichen und künstlerischen Geschick eine Neuinszenierung von Shakespeares Stück vor, ergänzt um wenige – ebenfalls als Inszenierung kenntlich gemachte – dokumentarische Einsprengsel. Man sieht hier also nicht Knackis bei laienhaften Theaterproben zu, sondern die Häftlinge als kompetente und talentierte Schauspieler, für die Zellen und Gänge ihres Gefängnisses zu Orten eines in filmische Szenen aufgelösten Dramas werden, klassisch ausgeleuchtet und gefilmt in anti-naturalistischem Schwarzweiß. Dieser völlig andere Blick auf Schwerverbrecher, die ganz in einer Kunst aufgehen, die ihr eigenes Leben in verschiedenen Facetten widerspiegelt, macht „Cesare deve morire“ tatsächlich berührend und animiert dazu, auch die eigene Sichtweise einmal mehr auf die Probe zu stellen. Und was mehr kann Kunst wollen und schaffen?

Text: Lars Penning

Foto: Umberto Monitroli

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Cesare Deve Morire, Italien 2011; Regie: Paolo & Vittorio Taviani; Darsteller: Cosimo Rega, Salvatore Striano, Giovanni Arcuri, Antonio Frasca; 76 Minuten

Wettbewerb
12.02., 18.30, Haus der Berliner Festspiele
15.02., 12.45, Haus der Berliner Festspiele
19.02., 18.00, Haus der Berliner Festspiele

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