Berlinale 2012

Filmkritik: „Czak a szйl“ im Wettbewerb

Czak a szйl

Die Kamera bewegt sich wie ein unruhig schnüffelnder Hund. Sie klebt an den Figuren und nimmt kaum einmal mehr wahr als deren unmittelbare Umgebung. Der Blick dieser Kamera zwingt einem eine klaustrophobische, unübersichtliche Perspektive auf. Die Nervosität und Beschränktheit dieses Blicks machen einen wahnsinnig. Nicht zuletzt, weil mit seiner Hilfe eine gesellschaftliche Situation beschrieben wird: ein Leben – manchmal ist es auch nur noch ein Vegetieren – unter den Bedingungen von Ausgrenzung und Vorsicht, Mißtrauen und Furcht.
Bence Fliegauf bezieht sich mit „Csak a szйl“ auf eine Serie rassistisch motivierter Anschläge, die in Ungarn 2008/2009 auf Roma-Familien verübt wurden. Er zeigt einen Tag im Leben einer Familie, die unter dem Eindruck der Ermordung ihrer Nachbarn versucht, weiter ihren Alltag zu leben. Er geht mitten rein in die unschönen Verhältnisse und zeichnet Ungeheuerliches und ungeheuerlich Normales auf. Er zeigt verschlossene Gesichter, in denen die Münder nur noch Striche sind und die Augen beinah leer und er zeigt wie und warum sie so wurden. Er zeigt strukturelle Gewalt, an diesem einen Tag beispielhaft konkretisiert. Das ist weder schön anzuschauen, noch leicht zu verstehen, noch simpel gedacht. Es ist aber auch eine Chance. 

Text: Alexandra Seitz

Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Csak a szйl, Ungarn / Deutschland / Frankreich 2012; Regie: Bence Fliegauf; Darsteller: Lajos Sбrkбny, Katalin Toldi, Gyöngyi Lendvai, György Toldi; 98 Minuten

Wettbewerb
17.02., 09.30, Friedrichstadtpalast
17.02., 20.30, Friedrichstadtpalast
19.02., 15.30, Haus der Berliner Festspiele

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