Berlinale 2012

Filmkritik: „En Kongelig Affaere“ im Wettbewerb

En Kongelig Affaere

Das ist mal ein echter Crashkurs durch die Epoche der Aufklärung: Der Wettbewerbsbeitrag „En Kongelig Affaere“ des dänischen Regisseurs Nicolaj Arcel ließe sich wunderbar im Schulunterricht einsetzen. Zwei Doppelstunden Geschichte und die Schüler hätten einen Überblick über die wichtigsten Ideen der Aufklärung, sie hätten eine Ahnung von der damaligen Radikalität ihrer Thesen, ihren Widersprüchen und ihrem Zerbrechen an der Realität. Und das alles am Beispiel des dänischen Königshofs im ausgehenden 18. Jahrhundert.
Nur leider würden sie nicht bis zum Abspann durchhalten. Trotz tragischer Liebesgeschichte, ausufernder Kostüme und einem wahnsinnigen König. Die Königin Caroline Mathilde liebt den König nicht, dafür verliebt sie sich aber in den Arzt und engsten Vertrauten ihres Mannes Johann Friedrich Struensee. Der Beginn ihrer Romanze ist ein Buch von Rousseau, das Caroline im Zimmer des Arztes findet. Sie diskutieren über Freiheit und Voltaire, sie haben Sex, sie manipulieren den König, so können sie die Gesetze zum Wohl des Volkes ändern. Dann wird Caroline schwanger und das ganze fliegt auf. Die Dreiecksgeschichte zwischen König, Königin und Leibarzt, ihr Aufstieg und Fall als Revolutionäre wird rasend schnell erzählt. Zu schnell, denn dadurch bleiben die Figuren blass, und ihre Liebe, ihr erst mutiger und dann verzweifelter Kampf, ihre Angst, all das berührt den Zuschauer nur wenig. Da hilft auch kein Mads Mikkelsen („Casino Royal“) als Doktor Struensee. Man ist froh, wenn die Schulstunde vorbei ist.

Text: Katharina Wagner

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En Kongelig Affaere, Dänemark / Tschechien / Schweden / Deutschland 2012; Regie: Nicolaj Arcel; Darsteller: Mads Mikkelsen, Alicia Vikander, Trine Dyrholm, David Dencik, Mikkel Boe Fшlsgaard; 137 Minuten

Wettbewerb
17.02., 11.00, Haus der Berliner Festspiele
17.02., 15.00, Friedrichstadtpalast
19.02., 16.00, Berlinale-Palast

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