Berlinale 2012

Filmkritik: „Extremely Loud And Incredibly Close“

Extremely Loud And Incredibly Close

Ein paar Minuten lang gab es Hoffnung. Die Hoffnung nämlich, nicht einfach einen 9-11-Tearjerker mit Oscarnominierungsgarantie, schluchzenden Geigen und Alles-wird-gut-Finale sehen zu müssen. Sondern die potenziell interessante Geschichte eines 9-jährigen Jungen, der – weil er in den Hinterlassenschaften seines beim World-Trade-Center-Einsturz ums Leben gekommenen Vaters einen mysteriösen Schlüssel entdeckt –  sich auf eine Art Schnitzeljagd quer durch New York begibt, in deren Verlauf ja durchaus anregende Begegnungen hätten stehen können, die sein Leben bereichern und ihm dabei helfen würden, den eigenen Verlust besser zu bewältigen.
Doch das hat Regisseur Stephen Daldry nicht im Sinn. Oskars (Thomas Horn) Suche wird lediglich zur fast belanglosen Vignette in einem Melodram voller papiernen Ideen, das inflationär versucht, seine dramatische Ausgangsidee irgendwie zu toppen. Gibt es hier noch eine Figur ohne Trauma? Dann nur schnell her damit. Das wäre schon schwer zu ertragen, wenn man mit dem kleinen Helden wenigstens sympathisieren würde. Doch auch das fällt mehr als schwer bei einem quasi-autistischen Klugscheißer, der zur Beruhigung der eigenen Nerven zwei Stunden mit einem Tambourin rasselt.

Text: Lars Penning

Foto: Warner Bros.

tip-Bewertung: Uninteressant

Extremely Loud And Incredibly Close, USA 2011; Regie: Stephen Daldry, Darsteller: Thomas Horn, Sandra Bullock, Max von Sydow, Tom Hanks; FSK: 12; 129 Minuten

Wettbewerb (außer Konkurrenz)
11.02., 12.00, Friedrichstadtpalast
13.02., 23.15, Friedrichstadtpalast
19.02., 12.45, Berlinale-Palast

Mehr über Cookies erfahren