Berlinale 2012

Filmkritik: „Jayne Mansfield\s Car“ im Wettbewerb

Jayne Mansfield's Car

Amerikas Südstaaten Ende der Sechziger dienten unlängst als Schauplatz für das Epos „The Help“, das sich mit dem Alltagsrassismus im Vorfeld der Civil-Rights-Bewegung beschäftigte. In ähnlicher Gegend in ähnlicher Zeit der Vietnam-Proteste spielt Billy Bob Thorntons erste Regiearbeit seit langem. Im Zentrum steht Robert Duvall als reicher alleinstehender Familienpatriarch und Weltkriegsveteran, der mit harter Hand Regiment führt über seine vier erwachsenen Kinder: Aus zweien der weltkriegserfahrenen Söhne sind desillusionierte, traumatisierte Kriegsgegner geworden. Die unterdrückten Konflikte brechen sich Bahn, als die Beerdigung der Mutter ansteht, die die Familie einst verließ, um in England neu zu heiraten. Als der unbekannte Teil der Familie anreist, kommt es zu einem mehrfachen Kulturenclash: zwischen den alten Männern, zwischen Americana- und europäischer Kultur, vor allem zwischen Söhnen und Vätern. All das versucht Thornton auf das System einer Familie zu verdichten. Doch statt plastische Figuren zu zeichnen, bleibt die Sippe weitgehend im Chiffrenhaften. An Duvals eisernem Patriarchen etwa scheint sich der Film ähnlich die Zähne auszubeißen wie dessen apathische Söhne. Allein Thorntons Figur erwacht zum Leben: der in der Kindheit verhaftete, mit Ehrennadeln dekorierte Skip. Thornton spielt ihn als Nahverwandten seines enigmatischen Protagonisten aus „The Man Who Wasn’t There“ der Coen-Brüder.

Text: Ulrike Rechel

Die Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Jayne Manfield’s Car, USA 2012; Regie: Billy Bob Thornton; Darsteller: Billy Bob Thornton , Robert Duvall, Kevin Beacon, John Hurt; 122 Minuten

Wettbewerb
14.02., 12.00, Friedrichstadtpalast
15.02., 21.30, HdBF
19.02., 12.15, Friedrichstadtpalast

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