Berlinale 2012

Filmkritik: „Kebun binatang“ im Wettbewerb

Kebun Binatang

Der Zoo als Ort des Verlustes: So wie die Tiere, die sich nur in einem Gehege und nicht in ihrem eigentlichen Lebensraum bewegen dürfen, wird auch die kleine Lana herausgerissen aus ihrem angestammten Leben, als ihr Vater sie im Tierpark von Djakarta aussetzt. Der Zoo als Ort der Sehnsucht: nach einer Ersatzfamilie, die Lana in den offiziellen und inoffiziellen Tierpflegern findet, die den Zoo kurzerhand zu ihrer Heimat und Wohnstätte gemacht haben, und nach Berührungen, die im Tierpark eigentlich nicht vorgesehen sind. Denn natürlich ist der Zoo vor allem ein Ort des Sehens: „Tiere streicheln verboten“, sagen die Schilder. Doch der indonesische Regisseur Edwin zeigt in seinem Wettbewerbsbeitrag „Kebun binatang“, wie die Pfleger ständig mit den Tieren kuscheln – und diese, vom Flusspferd bis hin zum Tiger und Leoparden, es sich gern gefallen lassen.
So wird der Zoo zu einem Ort der Metaphern und die Menschen zu einer Spezies unter vielen:  Auch Lana wird eines Tages ausgewildert werden in ein Leben als erwachsene Frau – die Metaphern setzen sich in anderen Lebensbereichen konsequent fort. Doch mit dem vorübergehenden Verlust des Schauplatzes Zoo verliert Edwins Film auch viel von seiner irrealen Atmosphäre zwischen Traumland und Rummel, während der konstante Verzicht auf jede Form der Dramatik in der zweiten Hälfte eine Zähflüssigkeit bewirkt, die auch angesichts des ansonsten schlüssigen Konzeptes nicht wegzudiskutieren ist.

Text: Lars Penning

Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Kebun binatang, Indonesien / Deutschland / Hongkong / China 2012; Regie: Edwin; Darsteller: Ladya Cheryl, Nicholas Saputra; 95 Minuten

Wettbewerb
16.02., 09.30, Friedrichstadtpalast
16.02., 20.30, Firedrichstadtpalast
19.02., 22.15, Haus der Berliner Festspiele

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