Berlinale 2012

Filmkritik: „Rebelle“ im Wettbewerb

Rebelle

Das Schicksal von Kindersoldaten hat das Kino in den letzten Jahren mit sehr unterschiedlichem Erfolg verhandelt. Dokumentarische Formate ( „My Globe Is Broken In Rwanda“) haben sich dabei als gewinnbringender erwiesen, als etwa ein Spielfilm wie „Feuerherz“, der mit seinem uneingelösten Authentizitätsanspruch auf der Berlinale 2008 für eine Kontroverse sorgte.
„Rebelle“ nimmt einen eigenen Weg zwischen diesen Polen mit einer fiktiven Geschichte, die der kanadische Regisseur und Autor Kim Nguyen in einem nicht näher lokalisierten Konfliktgebiet im Subsahara-Afrika angesiedelt hat. Seine Heldin Komona wird als Kindersoldatin in die Reihen einer mörderischen Miliz gezwungen, nachdem sie zuvor ihre eigenen Eltern ermorden musste, ein Abstieg in eine Hölle, aus der lange kein Weg weist. Das Vorbild der Truppe, deren Wahn von irrwitzigen Heilsvorstellungen und halluzinogenen Drogen angefeuert wird, gibt offensichtlich die ugandische „Lord’s Resistance Army“ ab, aber Nguyen nimmt sich auch hier jede inszenatorische Freiheit. „Rebelle“, gedreht im Kongo vor mitunter extrem lebendigen, manchmal auch nur einfach pittoresken Hintergründen und mit beeindruckenden (Laien)-Akteuren besetzt, bleibt von Anfang an eng an der Perspektive der Zwölfjährigen Komona, was für intensive Momente im Film sorgt, aber auch eine weitere Kontextualisierung des Geschehens verhindert. Geistermetaphern und die magische Welt der Heldin bleiben wichtiger als die nur gestreiften Coltan-Geschäfte der Miliz und auch die (Selbst)-Versöhnung, die „Rebelle“ anstrebt, dient vielleicht mehr der schönen Kinoform, als der angemessenen Zeichnung einer so traumatisierten Figur.

Text: Robert Weixlbaumer

Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer 

Rebelle, Kanada 2012; Regie: Kim Nguyen; Darsteller: Rachel Mwanza, Alain Bastien, Serge Kanyinda, Ralph Prosper, Mizinga Mwinga; 90 Minuten

Wettbewerb
18.02., 09.30, Friedrichstadtpalast
18.02., 17.30, Haus der Berliner Festspiele
18.02., 20.30, Friedrichstadtpalast
19.02., 19.00, Berlinale-Palast

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