Berlinale 2012

„Fokus Arabischer Frühling“ auf der Berlinale 2012

Death For Sale

Soufiane schlägt sich in der marokkanischen Provinzstadt Tйtouan als Tagedieb durch. Nach einem missglückten Handtaschenraub wird der Teenager fast gelyncht, eine Gruppe Muslimbrüder rettet ihm das Leben. Er wird zum fanatischen Anhänger der Bruderschaft. Seine beiden älteren Freunde Malik und Allal sind nicht religiös und machen sich lustig über ihn. Allal will mit einem Haschisch-Deal reich werden; Malik ist besessen von seiner Liebe zur schönen Prostituierten Dounia. Von diesen Figuren erzählt Faouzi Bensaidi in dem packend und mit guten Darstellern inszenierten Sozialdrama „Death for Sale“ (Foto), das ein realistisches, eindringliches Bild über die Situation und Denkweisen einfacher Leute in einem muslimischen Land vermittelt.
Präsentiert wird dieser Film im Rahmen des sich über alle Sektionen und Veranstaltungsformate erstreckenden Berlinale-Schwerpunkts „Fokus Arabischer Frühling – From And About the Arab World“. Auffallend ist, dass eine Anzahl der Filme von den Vereinigten Arabischen Emiraten als Koproduzenten mitfinanziert wurde, besonders Katar war bereits sehr engagiert bei der Berichterstattung über den Bürgerkrieg in Libyen und die Protestbewegungen, die zur Abdankung der Machthaber in Tunesien, Ägypten und dem Jemen führten.
Die vom Engländer Sean McAllister unter Lebensgefahr gedrehte Doku „The Reluctant Revolutionary“ zeigt die An­fänge der Unruhen im Jemen. McAllister macht seinen Khat kauenden Fremdenführer Kais zum Protagonisten des Films, der den Aufstand gegen den korrupten Präsidenten Saleh anfänglich ablehnend beurteilt und mit persönlichen Problemen, Mietschulden und Ärger mit seiner schwangeren Frau beschäftigt ist, sich dann aber mit den Aufständischen solidarisiert unter dem Schockeindruck eines Massakers durch scharf schießende Soldaten in den Straßen der Hauptstadt Sana’a, bei dem 52 Zivilisten getötet wurden.
Um die Video- und Online-Berichterstattung von Reportern des Kairoer Zeitungsverlags Al Masry Alyoum während der ägyptischen Revolution geht es in den Dokus „Althawra … Khabar“ (Bericht … einer Revolution) und „Words of Witness“. Sie führen nicht nur hautnah die Dramatik der 18-tägigen Massenproteste auf dem Tahrir-Platz vor Augen, die zum Ende des Mubarak-Regimes und zur Machtübernahme durch die Armee führten. Sie zeugen auch von Emanzipationsbemühungen junger Frauen, die politisch aktiv werden und dabei Selbstbewusstsein entwickeln.
Die junge Londoner Filmemacherin Hanan Abdalla lässt in „In the Shadow of a Man“ vier Ägypterinnen aus unterschiedlichen sozialen Schichten zu Wort kommen. Derzeit noch nicht abzusehen ist, welche Auswirkungen der Sieg orthodoxer islamischer Parteien bei den ägyptischen Parlamentswahlen auf weibliche Emanzipationsbestrebungen wie die dieser vier Frauen haben wird.

Text: Ralph Umard

Death for Sale (Panorama)
11.2., 21.30, CinemaxX 7
12.2., 20.15, CineStar 3
13.2., 22.30, Cubix 7+8
14.2., 22.30, Colosseum 1

The Reluctant Revolutionary (Panorama)
10.2., 17.00, CineStar 7
11.2., 12.00, CineStar 7
12.2., 17.30, Cubix 7
18.2., 17.30, Cubix 7

Althawra … Khabar (Special)
16.2., 14.00, HdBF
18.2., 18.00, Cubix 8

Words of Witness (Panorama)
12.2., 17.00, CineStar 7
13.2., 11.30, CineStar 7
14.2., 17.30, Cubix 7
17.2., 19.30, CineStar 7

In the Shadow of a Man (Panorama)
12.2., 17.00, CineStar 7
13.2., 11.30, CineStar 7
14.2., 17.30, Cubix 7
17.2., 19.30, CineStar 7

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