Berlinale 2012

Im Wettbewerb: „Gnade“ von Matthias Glasner – Die Filmkritik

In den Filmen von Matthias Glasner ist Schuld ein zentrales Motiv. „Gnade“ erzählt  von einem alltäglichen Vergehen: Fahrerflucht. Dabei geht es nicht um abgefahrene Seitenspiegel, sondern um den Tod eines Mädchens.
Maria und Niels sind mit ihrem Teenager-Sohn aus Deutschland nach Hammerfest in Nord-Norwegen ausgewandert. Im Dämmerlicht der Polarnacht wirkt die mystische Schneelandschaft wie eine übergroße Bühne für ein existenzielles Drama. Eines Abends ist Maria beim Autofahren abgelenkt. Ein dumpfer Knall, sie hält an, ist geschockt, steigt nicht aus, fährt irgendwann weiter. Stunden später sucht Niels die Straße ab, aber er findet nichts. Am übernächsten Tag erfahren sie, dass ein 16jähriges Mädchen überfahren wurde.
Wer einen schwermütigen Film voller Seelenqual erwartet, wird enttäuscht sein. Neugierig und ohne zu werten beobachtet Glasner, was die Schuld mit Maria und Niels macht. Eine überraschende Dynamik entfaltet sich, zuerst unscheinbar, dann mit großer Wucht, und führt zu einem Zustand, den man weltliche Gnade nennen könnte. Glasner flüchtet sich nicht in ein offenes Ende, sondern gibt eine Antwort. Birgit Minichmayr und Jürgen Vogel beglaubigen die Antwort mit ihrer schauspielerischen Glanzleistung.

Text: Volker Gunske

Foto: Schwarzweiss Filmproduktion

Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Gnade, Deutschland/Norwegen 2012; Regie: Matthias Glasner; Darsteller: Birgit Minichmayr, Jürgen Vogel, Henry Stange, Ane Dahl Torp, Maria Bock

Wettbewerb
17.02., 12.00, Friedrichstadtpalast
17.02., 22.30, Friedrichstadtpalast
18.02., 14.30, Friedrichstadtpalast
19.02., 15.00, Friedrichstadtpalast

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