Berlinale 2012

„A moi seule“ von Frйdйric Videau im Wettbewerb – Die Filmkritik

A moi seule

Am Anfang steht eine Freilassung. Mit einem Mal ist die 17-jährige Gäelle auf sich gestellt und sucht den Weg zurück. Eine Dekade ihres Lebens hat sie in der Gefangenschaft eines Mannes namens Vincent verbracht, hat den Kerker im Keller seines entlegenen Hauses nur überlebt, weil sie einen Modus des Umgangs mit ihrem Entführer fand.
„A moi seule“ von Frйdйric Videau erzählt die Geschichte Gäelles in Rückblenden aus ihrer zittrigen Gegenwart. Der Film ist am stärksten und faszinierendsten immer dann, wenn er genau dort bleibt. Wenn in Gäelles Begegnungen mit Vater und Mutter und später mit ihrem Kindheitsfreund der Abgrund erkennbar wird, den ihr Verschwinden aufgerissen hat. Ein Abgrund, aus dem Schuld, Wut, Schmerz und Verzweiflung stiegen – und blieben –, und die sich nun zwischen die Figuren stellen wie Mauern, deren Überwindung zwar nicht unmöglich, aber doch sehr kompliziert ist. Weil es dabei immer auch darum geht, zwischen Mitgefühl und Selbstmitleid jene Balance zu finden, die den Weg zum anderen offen hält. Demgegenüber bleiben die Gefängnis-Szenen spekulativ, wenngleich nicht ausbeuterisch. Immerhin werfen sie die Frage auf, was es mit einem Menschen macht, wenn er dazu gezwungen wird, Emotion dauerhaft als Mittel der Manipulation einzusetzen. Gäelles von der ihr angetanen Gewalt verschlossenes Feengesicht legt davon Zeugnis ab.

Text: Alexandra Seitz

Chancen auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer 

A moi seule, Frankreich 2011; Regie: Frйdйric Videau; Darsteller: Reda Kateb, Agathe Bonitzer, Hйlиne Filliиres; 91 Minuten

Wettbewerb
11.02., 15.00, Friedrichstadtpalast
19.02., 22.30, International

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