Berlinale 2012

Österreich auf der Berlinale 2012

Die Wand

Nüchtern. Distanziert. Streng. Es ist, als würde mittels zurückgenommener Erzählformen versucht, die Kontrolle über das zu behalten, wovon die Rede ist. Als wären die Leerstellen, das Schweigen und der kalte Blick die einzigen Möglichkeiten, dem Unwägbaren der Gefühle beizukommen, die sich in den Bildern zeigen. Aus diesem Spannungsverhältnis speist sich die Faszination, die von drei österreichischen Beiträgen im Berlinale-Programm ausgeht: „What is Love“ von Ruth Mader, „Spanien“ von Anja Salomonowicz und „Die Wand“ von Julian Roman Pölsler.
Die Antworten, die Mader in fünf halbdokumentarischen Miniaturen auf die vom Filmtitel aufgeworfene Frage gibt, sind dezidiert entromantisierend. Liebe erstickt in Alltagsroutinen, kippt um in Einsamkeit, verhärtet und wird sauer. Und doch bleibt dabei die Sehnsucht nach dem Erkanntwerden durch den anderen immer schmerzlich präsent. Auch Salomonowicz erzählt, auf zwei ineinander gelegten Zeitebenen, von der Hoffnung und vom Scheitern. Ein in Niederösterreich gestrandeter Moldawier lernt eine tief verwundete Frau kennen, ein Fremdenpolizist und ein Kranführer kreuzen und queren ihre Wege. Aus den Alltagsdialogen erfährt man wenig, viel mehr teilt sich mit über Bewegungen im Raum, über Blicke und Gesten: Das Aufbäumen eines starken Willens gegen die äußeren Umstände. Pölsler wiederum setzt seine Verfilmung von Marlen Haushofers großem Roman „Die Wand“ (Foto) über die einzige Überlebende einer Katastrophe als Engführung dreier Soli – für Stimme, Landschaft und das Gesicht von Martina Gedeck – in Szene. Dabei steht immer alles gleichberechtigt nebeneinander. Der Hund, die Natur, die Arbeit und das Denken.
Die Arbeiten von Mader, Salomonowicz und Pölsler bezeugen nicht nur die Programmatik des österreichischen Gegenwarts­kinos, sie beweisen auch das vielfältige Potenzial des Sperrigen. Nüchtern, distanziert, streng – ja. Doch voller Leidenschaft und Mitgefühl und von einem tiefen Interesse am Humanen geprägt.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Studiocanal

What Is Love (Forum)
12.2., 19.15, Delphi
14.2., 13.45, CineStar 8
15.2., 11.45, Arsenal 1
18.2., 15.00, Cubix 7

Spanien (Forum)
11.2., 19.00, CineStar 8
12.2., 20.00, Cubix 9
14.2., 14.00, Delphi
19.2., 21.30, CineStar 8

Die Wand (Panorama)
12.2., 19.30, International
13.2., 12.30, CinemaxX 7
14.2., 14.30, Cubix 9
15.2., 18.30, Thalia Kino Potsdam
18.2., 17.45, Friedrichstadt-Palast

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