Berlinale 2012

Wettbewerb: Maren Ade und Miguel Gomes im Interview

MAren Ade und Miguel Gomes

tip Herr Gomes, „Tabu“ wird im Wettbewerb der Berlinale laufen, Sie arbeiten noch an den letzten Details. Wie steht es?
Miguel Gomes Wir arbeiten in Hamburg am Finish, und daran, eine gute Kopie zu ziehen. Kodak ist gerade pleitegegangen und für das Labor wird es wahrscheinlich der letzte Film in Schwarzweiß sein, den sie je machen. Und er heißt „Tabu“, das ist eine gute Sache. Ich versuche, das gut zu Ende zu bringen.

tip Wie haben Sie denn das Festival aus der Ferne wahrgenommen?
Miguel Gomes Ich war noch nie hier, weder als Regisseur, noch als Filmkritiker, der ich früher war, noch als gewöhnlicher Besucher. Für einen portugiesischen Film ist es etwas Besonderes, hier im Wettbewerb zu sein. Einen portugiesischen Film würde man eher in Cannes vermuten oder in Venedig. Ich habe positive Erwartungen, aber es könnte auch so etwas wie ein portugiesisch-bosnisches Fußballmatch werden, ein Auswärtsspiel, das man nicht vorhersagen kann. Aber ich mag es, in Stadien zu spielen, die nicht so naheliegen.

tip Das passt zu Ihren Arbeiten, die gerne sehr gegensätzliche Welten miteinander kollidieren lassen. Wie der Fuchs, der in Ihrem letzten Film „Our Beloved Month of August“ in einen Hühnerstall hineinschlüpft.
Miguel Gomes Mal sehen, wer der Fuchs ist, und wer das Huhn. (lacht) Aber ich mag beide Rollen. Am Mittwoch bin ich wieder in Lissabon und ich freue mich darauf, dann eine echte Filmkopie zu haben. Im letzten Cannes-Wettbewerb wurde kein einziger Film mehr auf Film vorgeführt. Der Kodak-Bankrott ist ein Zeichen dafür, dass eine ganze Welt ausgelöscht wird. „Tabu“ ist auch ein Film darüber, über Dinge, die zu Ende gehen, Menschen, die sterben, Orte, die ausgelöscht werden, wie die portugiesischen Kolonien in Afrika – und auch über eine Art, Filme zu machen, mit einem Material, das verschwinden wird.

Tabutip „Tabu“ besteht aus zwei Hälften mit einem Bruch in der Mitte.
Miguel Gomes Ich habe die Tendenz, ich weiß nicht warum, Filme zu machen, die zwei Teile haben. Der erste Teil von „Tabu“ heißt „Verlorenes Paradies“, er spielt in der Gegenwart in Lissabon, gedreht auf 35 mm in Schwarzweiß. Und dann gibt es einen Sprung um 50 Jahre zurück in eine portugiesische Kolonie in Afrika, auf 16 mm gedreht, manches auch mit einer Bolex-Kamera, die man aufziehen muss.

tip Frau Ade, Sie sind selbst erfolgreiche Filmemacherin, jetzt haben Sie „Tabu“ koproduziert. Wo sind Sie Miguel Gomes begegnet?
Maren Ade Auf dem Festival von Buenos Aires …
Miguel Gomes Ich hatte gehört, dass es da eine deutsche Regisseurin gab, die einen Film auf dem Festival hatte und auch Produzentin war. Als wir uns vorgestellt wurden, sagtest du als erstes: „Ich bin gerade ausgeraubt worden!“ Sehr gut, wenn jemand deinen Film produzieren wird, und dir Geld geben soll!
Maren Ade (lacht) Mein Telefon war weg. Wir kannten dieselben Leute und waren auf dem Festival unterwegs. Es gab eine Retro­spektive, auch mit seinen zahlreichen Kurzfilmen, ich habe also auf einen Schlag alle seine Filme gesehen und war begeistert. Wir haben einige Gemeinsamkeiten entdeckt, auch bei unseren Produktionsgesellschaften: Wie wir arbeiten, welches Kino wir mögen. Du hattest einen guten Pitch für deinen Film. Du sagtest: „Ich will einen Film machen, der in Afrika spielt und der mit dem Satz beginnt: ‚Sie hatte eine Farm in Afrika …‘,  und im Film sollte ein Krokodil mitspielen, das Dundee heißt. Grund genug, für mich zu sagen, dass ich Koproduzentin sein will.
Miguel Gomes Ich habe „Tabu“ als Walt-Disney-Film verkauft. In Schwarzweiß. Und Dundee war ein Dandy.

1 | 2 | weiter

Mehr über Cookies erfahren