Berlinale 2013

Die Sektion Generation auf der Berlinale 2013

Princesas Rojas

„Wir zeigen die Ausnahmen – nicht die Regel.“ Mit diesem knappen Statement bringt Maryanne Redpath, die diese Berlinale-Sektion in diesem Jahr zum fünften Mal leitet, das Konzept des ehemaligen Kinderfilmfestes auf den Punkt. Das heißt, dass das Filmangebot hier denselben Auswahlkriterien unterliegt wie in anderen Sektionen und sich nicht damit zufriedengibt, dass minderjährige Zuschauer dabei ein wenig über den Tellerrand des Angebots im regulären Kinoprogramm hinausblicken können.
Wo spezialisierte Kinderfilmfestivals wie LUCAS in Frankfurt am Main oder GOLDENER SPATZ in Erfurt sich primär an die Kinder selber wenden (und keine Filme für Jugendliche zeigen), da reklamiert die Berlinale-Sektion mittlerweile dieselbe Exklusivität wie andere Sektionen (in diesem Jahr sind von den 25 Langfilmen 16 Weltpremieren, zwei internationale Premieren und sieben europäische Premieren). Dass das Programm zumindest von einem Teil der professionellen Besucher wahrgenommen wird, zeigt sich auch darin, dass der vor einigen Jahren eingerichtete – und mit immerhin 50.000 Euro dotierte – First Feature Award hier so oft wie in keiner anderen Sektion landete. Und man kann die Qualität der Filme auch daran ablesen, dass nicht wenige von ihnen später bei anderen Festivals im Hauptprogramm auftauchen, so etwa der US-Indie „The Dynamiter“ (Generation 2011) 2012 auf der Viennale.
Darüber hinaus sollte allerdings nicht vergessen werden, dass Generation die einzige Berlinale-Sektion ist, zu der unter 18-Jährige überhaupt Zutritt haben. Gerade in jener Hälfte des Programms, 14plus betitelt, die sich an jugendliche Zuschauer wendet, gab es in den letzten Jahren die aufregendsten Filme zu sehen. Ich denke etwa an Antonio Campos‘ „Afterschool“ (2009), der Drogenmissbrauch an einer Highschool mit der durchgängigen Wahrnehmung der Welt durch den Sucher einer Videokamera zusammenbrachte, also nicht nur inhaltlich, sondern auch formal etwas zu bieten hatte. Seine Weltpremiere hatte der Film im Jahr zuvor beim Festival von Cannes erlebt; das zeigt auch die Problematik der zunehmenden Exklusivität von Generation – nach den heutigen Maßstäben würde er dort nicht mehr laufen können.
Der Begriff Kinderfilm wurde von der Branche hierzulande seit einiger Zeit durch Family Entertainment ersetzt, aus verständlichem Kalkül. Sieht man sich an, was unter diesem Etikett ins Kino kommt, so muss man feststellen, dass die Formelhaftigkeit des gegenwärtigen Mainstream-Kinos hier noch einmal potenziert wird. Ihr Heil suchen Verleiher und Produzenten bei Verfilmungen bekannter literarischer Werke, bevorzugt bei solchen, deren Mehrbändigkeit sich in profitables Franchise umwandeln lässt. Einzelwerke mit jugendlichen Protagonisten haben noch am ehesten eine Chance, wenn sie im Gewand von Komödien daherkommen wie der britische Berlinale­-Film „Submarine“. Elf Tage Berlinale sind da zu wenig für diejenigen, die sich und ihre Probleme noch auf der Leinwand widergespiegelt sehen möchten.

Text: Frank Arnold

Foto „Princesas Rojas“: Quelle: Internationale Filmfestspiele Berlin

Das komplette Programm der Sektion Generation finden Sie in unserem tip-Berlinale-Extra ab Seite 60.

Download: tip-Berlinale-Extra

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