Berlinale 2013

Filmkritik: „Camille Claudel 1915“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Camille Claudel 1915

Wie vergeblich die Schönheit des Ambientes ist! In der Provence ist Camille umgeben von jenen weißen Steinen und Felsen, die sie seit ihrer Kindheit liebte und die zu ihrer künstlerischen Bestimmung werden sollten. Aber im Winter 1915 ist das längst Geschichte. Vor zwei Jahren wurde die Bildhauerin von ihrer Familie in ein Asyl für Geisteskranke eingewiesen. Wiederum ein Wettbewerbsfilm um eine weggesperrte Frau: Juliette Binoche, die unter lauter Laiendarstellern agiert, spielt sie als eine zum Bleiben verdammte Besucherin. Sie gehört nicht hierher; trotz ihres Verfolgungswahns. Bruno Dumont inszeniert ihr Geworfensein als strenges Exerzitium. Er lässt sie in Monologen sprechen, ebenso wie ihren Bruder Paul, dessen Besuch sie entgegenfiebert. Jean-Luc Vincent verkörpert den Dichter als wandelnden Brief- und Tagebuchschreiber. Die Beschwörung seiner katholischen Erweckung will er nicht in Einklang bringen mit der Hartherzigkeit, die ihn die Rückkehr der Schwester ins Leben verhindern lässt. Hat er nicht schlimmeren Verrat an ihr begangen als ihr treuloser Liebhaber Auguste Rodin? „Sie hat alle Gaben“, sagte Paul einmal über sie. Aber das ist nur noch eine schändlich verblasste Erinnerung.

Text: Gerhard Midding

Foto: Quelle: Internationale Filmfestspiele Berlin

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Wettbewerb Berlinale 2013
Camille Claudel 1915
, Frankreich 2012; Regie: Bruno Dumont; Darsteller: Juliette Binoche (Camille Claudel), Jean-Luc Vincent (Paul Claudel); Farbe, 97 Minuten

 

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