Berlinale 2013

Filmkritik: „Elle s\en va“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Ele S#en va

Bettie (Catherine Deneuve) führt mit ihrer Mutter ein Restaurant in der Bretagne. Es läuft nicht so gut, ihr Geliebter verlässt sie, Bettie fängt wieder an zu rauchen. Mitten am Tag verlässt sie ihre Arbeit und fährt ins Blaue – auf der Suche nach Zigaretten, aber irgendwie auch auf der Flucht.
Sie fährt immer weiter, die Zigaretten werden zu Begegnungen – mit einem alten Bauern, mit feierwütigen Frauen, mit einem jungen Mann, der sie in einer Bar abschleppt.
Ihre arbeitslose Tochter, mit der sie sich nicht versteht, ruft an und braucht Hilfe, Bettie setzt sich wieder ins Auto und fährt Hunderte von Kilometern, um ihren elfjährigen Enkel abzuholen. Der Film wird zu einem immer schrägeren Roadmovie durch Frankreichs Landschaften und Brachflächen, wir lernen Betties Geschichte kennen, Tragisches und Komisches aus ihrer Vergangenheit, manchmal ist es dasselbe.
Catherine Deneuve ist mittlerweile fast 70, und das sieht man ihrem Körper, ihren Händen und Füssen auch an. Dass sie noch immer jeden Film mühelos alleine tragen kann, ist ein Phänomen, das man in den letzten Jahren immer wieder bewundern konnte. Regisseurin Emmanuelle Bercot hat ihren Film für Deneuve geschrieben – „der Film ist Catherine“ sagt sie – und filmt den Star mit liebevoller Andacht und in vielen Großaufnahmen.
Herausgekommen ist kein Meisterwerk, aber ein angenehm mildes Feel-Good-Movie, das den großen Reiz hat, Alter nicht als Problem zu behandeln, sondern als nicht weiter zu erklärende Tatsache. Und einer alternden Frau persönliche Freiheit und sogar sexuelle Abenteuer zu gönnen.

Text: Catherine Newmark

Foto: Jean-Marie Leroy

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Wettbewerb Berlinale 2013
Elle s’en va
, Frankreich 2013; Regie & Drehbuch: Emmanuelle Bercot; Darsteller: Catherine Deneuve (Bettie), Nemo Schiffman (Charly), Gerard Garouste (Alain), Camille (Muriel), Claude Gensac (Annie); Farbe, 116 Minuten

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