Berlinale 2013

Filmkritik: „Gloria“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Gloria

Gloria hat gelernt, der Einsamkeit zu trotzen. Ende fünfzig, seit einem Jahrzehnt geschieden, bewältigt sie mehr schlecht als recht die Leere, die ihren Alltag in Santiago de Chile zusehends umgibt. Auf 50plus-Single-Partys tanzt sie dem Alter davon und von einem One-Night-Stand zum Nächsten, bis sie den Mittsechziger Rodolfo kennenlernt, mit dem sie noch einmal eine feste Beziehung probiert. Doch die Vergangenheit überlappt das Glück der Gegenwart. Rodolfo hat es nicht geschafft, sich von seiner Ex-Frau endgültig zu lösen und wird von den erwachsenen Töchtern über die Maßen in Anspruch genommen. Immer wieder klingelt sein Handy in die romantischsten Momente hinein. Vielleicht soll man das als vage Anspielung auf das traumatische Erbe lesen, das die chilenische Gesellschaft seit dem Ende der Pinochet-Ära mit sich herumschleppt, als vorsichtigen Kommentar auf ein Land, das heute nicht so ist, wie es sein sollte, weil es gestern so war, wie es war. Tatsächlich erzählt „Gloria“, als ein Film über die Unbill des Älterwerdens, aber eine archetypische, nicht eine spezifisch chilenische Geschichte. Am Ende scheitert die Beziehung an den Hypotheken von früher; das Jetzt ist nicht bequem, wenn es auf tönernen Füßen steht. Paulina Garcнa verleiht ihrer Gloria-Figur ein sympathisch-gequältes Antlitz und tröstet über den Umstand hinweg, dass sich die Langeweile der Spätfünfzigerin in der ein oder anderen Szene auch auf den Zuschauer überträgt.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Quelle: Internationale Filmfestspiele Berlin

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Wettbewerb Berlinale 2013
Gloria
, Chile / Spanien 2012; Regie: Sebastiбn Lelio; Darsteller: Paulina Garcia, Sergio Hernбndez, Diego Fontecilla, Fabiola Zamora; 105 Minuten

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