Berlinale 2013

Filmkritik: „Gold“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Gold

Deutscher Western – da denkt man erstens an Karl May, zweitens an Pierre „Winnetou“ Brice und drittens an Lex „Shatterhand“ Barker. Viele Generationen sind mit den Karl-May-Western aus den 1960er Jahren groß geworden. Wahrscheinlich auch der Berliner Regisseur Thomas Arslan, dessen Name bislang für urbane Gegenwartsstoffe stand. „Gold“ ist Arslans erster historischer Kinostoff.
1898 – die Goldfunde im kanadischen Klondike River haben Zehntausende in Bewegung versetzt. Auch die deutsche Auswanderin Emily Meyer (Nina Hoss). Sie ist fest entschlossen, ihr altes Leben als Dienstmädchen hinter sich zu lassen, und hat sich einer deutschen Goldsuchergruppe angeschlossen. Über den Landweg wollen sie sich zu den Claims durchschlagen. 1.500 Meilen liegen zwischen der letzten Bahnstation und den versprochenen Nuggets im Klondike. Es ist ein Trip ins Unbekannte. Sie sind zu siebt, und niemand hat auch nur annähernd eine Vorstellung, was sie da draußen erwartet.
Arslan erzählt sehr einfach, sehr klar, sehr ernsthaft. Er interessiert sich für die Details, den Alltag und die Mühsal einer solchen Reise. Manchmal wirkt „Gold“ fast dokumentarisch. Um so eindringlicher die Momente, in denen Misstrauen, Wahnsinn und Gewalt die Gruppe dezimieren.
„Gold“ ist ein geradliniger Western ohne Humbug. Weiter kann man sich nicht von Karl May entfernen. Zwischen der unfehlbaren deutschen Schmetterhand und der deutschen Auswanderin Emily Meyer liegen viele Welten – und natürlich viele Jagdgründe.

Text: Volker Gunske

Foto: Schramm Film

Chance auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Wettbewerb Berlinale 2012
Gold,
Deutschland 2013; Regie: Thomas Arslan; Darsteller: Nina Hoss (Emily Meyer), Marko Mandic (Carl Boehmer), Lars Rudolph (Rossmann), Uwe Bohm (Gustav Müller); 113 Minuten, Farbe

Mehr über Cookies erfahren