Berlinale 2013

Filmkritik: „Paradies: Hoffnung“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Mit seinen drei „Paradies“-Filmen gelang dem österreichischen Regisseur Ulrich Seidl ein Coup, der zuletzt dem Polen Krzysztof Kie?lowski Anfang der 1990er Jahre mit seiner „Drei Farben“-Trilogie gelungen ist: Er war in den Wettbewerben der drei wichtigsten Filmfestivals von Cannes, Venedig und Berlin vertreten.
Zum Abschluss seiner ursprünglich als ein Film geplanten Trilogie erzählt der Seidl in „Paradies: Hoffnung“ von der 13-jährigen Melanie (genannt: Melli), die sich in einem Diät-Camp bei fast militärischem Drill überschüssige Pfunde abtrainieren soll, während ihre Mutter – wie in „Paradies: Liebe“ zu sehen – in Kenia nicht einfach nur Urlaub macht. In ihrer Zuneigung zum 40 Jahre älteren Arzt der Einrichtung macht die junge Protagonistin das erste Mal die Erfahrung, was es heißt, sich zu verlieben. Eine Liebe ohne Hoffnung, denn bei allen unschuldigen Annäherungsversuchen des Teenagers, weiß der Doktor durchaus gegen die Unmöglichkeit seiner eigenen Zuneigung anzukämpfen.
Wie schon in den ersten beiden Teilen der Trilogie will sich das Paradies also auch im „Hoffnung“-Teil nicht einstellen. Dabei geht Seidl dieses Mal sehr viel behutsamer mit seinem Publikum um und verzichtet auf drastische Bilder. Ihm reicht dieses Mal das trostlose Diät-Camp in der österreichischen Provinz, um der Hoffnungslosigkeit von Mellis Liebe mit der Aussichtslosigkeit seiner jungen, übergewichtigen Bewohner auf Gewichtsverlust, den Spiegel vorzuhalten. Einzig der manchmal gnadenlose Humor, mit der die größtenteils starren Kamerabilder gekontert werden, entlassen den Zuschauer am Ende mit dem Gefühl, dass das Ende der Hoffnung noch nicht ganz erreicht ist.

Text: Martin Zeising

Foto: Ulrich Seidl Film Produktion GmbH

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Wettbewerb Berlinale 2013
Paradies: Hoffnung, Österreich/Frankreich/Deutschland 2013; Regie: Ulrich Seidl; Darsteller: Melanie Lenz (Melanie), Verena Lehbauer (Verena), Joseph Lorenz (Arzt), Michael Thomas (Fitness Trainer); 91 Minuten, Farbe

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