Berlinale 2013

Filmkritik: „Pardй“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Der iranische Regisseur Jafar Panahi ist von seiner Regierung mit Arbeits- und Reiseverbot belegt; als er vor zwei Jahren Mitglied der Berlinale-Jury war, wurde sein leerer Stuhl ausgestellt. Doch Panahi macht weiter Filme und nennt sie „This is not a Film“ (2010) oder jetzt „Pardй“, was übersetzt „Geschlossene Vorhänge“ heißt.
Genau darum geht es in dem Film: ein Mann versteckt sich in einer einsamen Villa mit seinem Hund, der behördlicherseits getötet werden soll, weil die Tiere als unrein gelten. Aber der Mann liebt seinen Hund – der im Übrigen eine komödiantische Entdeckung ist – und schottet sich von der Welt ab, um gemeinsam mit ihm zu leben und ein Drehbuch darüber zu schreiben. Doch dann taucht eine geheimnisvolle, etwas penetrante junge Frau auf und schließlich der Regisseur selbst, der sie beide zu Figuren eines Film degradiert, den er nie drehen wird.
Es ist ein leiser, tastender, manchmal auch auf godardsche Weise verspielter Film geworden. Alles war strikt geheim, die Crew bestand aus Regisseur und Koregisseur/Hauptdarsteller, die sich vor und hinter der Kamera abwechselten, einer Schauspielerin, Familienmitgliedern und dem Hund des Kameramanns, der aufgrund dieses Kriteriums ausgewählt wurde.
Der Film ist mehr als cinйma engagй, er ist ein Widerstandsakt. Das sind verschärfte Lektürebedingungen, angesichts derer alles zur Metapher wird: die geschlossenen Vorhänge, die Gitter vor dem Panoramafenster, die in der ersten Einstellung geöffnet und in der letzten geschlossen werden, die Schlüssel, die Verschwinden und wieder auftauchen. Doch diese Bilder protokollieren zugleich die bittere Wirklichkeit eines zur Untätigkeit gezwungenen Filmemachers.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Quelle: Internationale Filmfestsspiele Berlin

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Wettbewerb Berlinale 2013
Pardй (Closed Curtains), Iran 2013; Regie: Jafar Panahi, Kamboziya Partovi. Darsteller: Kamboziya Partovi (Mann), Maryam Moghadam (junge Frau), Jafir Panahi (als er selbst), Boy der Hund. Farsi. 106 Minuten.

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