Berlinale 2013

Filmkritik: „Pozi?ia copilului“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Pozitia Copulului

Der 32-jährige Barbu erfasst während eines Überholmanövers einen Jungen. Als dieser stirbt, befindet sich Barbu plötzlich in einer befremdlichen Situation: Er muss Verantwortung übernehmen. Dass er dieses bisher nicht gelernt hat, liegt zu nicht geringen Teilen wohl an Cornelia – Barbus Mutter, die für ihren einzigen Sohn so einiges in Bewegung setzt. Auch jetzt, wo der Tatbestand klar scheint, mischt sich die renitente Madame aus der rumänischen Oberschicht in das Untersuchungsverfahren, um ihr geliebtes Kind aus den Fängen der Justiz zu befreien. Barbu hingegen macht das, was er am besten kann: nichts. Der eigentlich erwachsene Mann, der aus Cornelias Perspektive wie ein bärtiges Kleinkind anmutet, übt sich in Passivität, während seine Mutter einen korrupten Winkelzug nach dem nächsten arrangiert – im Namen der Liebe.
„Pozi?ia copilului“ erlaubt auf Basis eines Verkehrsunfall einen vielschichtigen Einblick in die rumänische Gesellschaft, eine diffizile Mutter-Sohn-Beziehung und zeigt eine Begegnung zwischen Eltern, die unter gewöhnlichen Umständen nie stattgefunden hätte. C?lin Peter Netzer beobachtet seine Protagonisten dabei mit unruhiger Kamera, taucht seine Bilder in Dunkelheit und lässt Cornelia in nächtlichem Kunstlicht konferieren. Barbu kommentiert die Szenerie wenig später treffend: „Sollten sich Menschen in deinem Alter nicht lieber Pyramiden anschauen?“.

Text: Carolin Weidner


Foto:
Cos Aelenei

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Wettbewerb Berlinale 2013
Pozi?ia copilului (Child’s Pose)
, Rumänien 2012; Regie: Calin Peter Netzer; Darsteller: Luminita Gheorghiu, Bogdan Dumitrache, Florin Zamfirescu; 112 Minuten

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