Berlinale 2013

Filmkritik: „Side Effects“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Side Effects

Steven Soderbergh ist inzwischen fast so etwas wie ein Stammgast auf der Berlinale. Nur ein Jahr, nachdem sein Action-Kracher „Haywire“ außer Konkurrenz lief, stellt der US-Regisseur 2013 den Thriller „Side Effects“ im Wettbewerb vor. In diesem trifft der ewig adrette Jude Law als Psychologe Dr. Jonathan Banks auf die Endzwanzigerin Emily Taylor (Rooney Mara), die sich kurz nach Ende einer vierjährigen Haftstrafe ihres Ehemannes und entgegen aller gut gemeinten Versuche, wieder in ein gemeinsames Leben zurückzufinden, versucht das Leben zu nehmen, in dem sie mit ihrem Auto vollgas gegen eine Betonwand rast. Banks übernimmt die Behandlung von Emily und verschreibt ihr Antidepressiva. Als die junge Frau – offensichtlich schlafwandelnd und unter Medikamenteneinfluss – ihren Ehemann brutal ermordet, gerät auch Dr. Banks ins Fadenkreuz der Ermittler. Hat der Psychologe die Nebenwirkungen der verordneten Medikamente falsch eingeschätzt?
Was hier nach der spannenden Ausgangslage eines möglichen Polit-Thrillers, in dem die Pharma-Industrie mit den Nebenwirkungen ihrer Glücklichmacher gehörig ihr Fett abbekommt, verläuft bei Soderbergh leider zunehmend im Sand. „Side Effects“ scheitert weil sich Scott Z. Burns in seinem Drehbuch für Wendungen in dem Fall entschieden hat, die zwar mitunter für Spannung sorgen, gleichzeitig aber aufgesetzt und an den Haaren herbeigezogen wirken. „Mich interessierte an dem Stoff mehr die Schuld des Einzelnen. Ich wollte keine Wertung abgeben, weil Antidepressiva mit Sicherheit auch vielen Menschen helfen.“, sagte der Regisseur auf der Pressekonferenz der Berlinale. Wenn die Schuld des Einzelnen jedoch derartige Kapriolen in der Story benötigt, bleibt am Ende nur ungläubiges Kopfschütteln.

Text: Martin Zeising

Foto: Quelle: Internationale Filmfestspiele Berlin

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Wettbewerb Berlinale 2013
Side Effects
, USA 2013; Regie: Steven Soderbergh; Darsteller: Jude Law (Dr. Jonathan Banks), Rooney Mara (Emily Taylor), Catherine Zeta-Jones (Dr. Victoria Siebert), Channing Tatum (Martin Taylor); Farbe, 106 Minuten

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