Berlinale 2013

Filmkritik: „W Imi?“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

W Imie

Polen, tiefer Sommer, weit auf dem Land. Fliegen schwirren, Kinder spielen, ausgelassen und beiläufig grausam, eine Gruppe schwer erziehbarer Jugendlicher, sie gehören zu einem Resozialisierungszentrum der Kirche, spielt Fußball, sie sind pubertär, grob und unsicher. Adam, der Priester des Dorfes, leitet das Zentrum. Er wirkt sympathisch und sportlich, ruhig und geduldig. Nachts läuft er im Wald, Joggen wäre der falsche Ausdruck, Adam sieht aus, als renne er um sein Leben. Adam, das wird schnell klar, ist verführbar – nicht durch Ewa, die Frau des Lehrers Michal, sondern durch schöne junge Männer, wie den Bauernsohn ?ukasz. Priester ist er geworden, um diesem „Problem“ zu entkommen. Aber homoerotisches Begehren holt ihn überall wieder ein, auch von Seiten seiner fast erwachsenen Zöglinge. Irgendwann implodiert die Geschichte, harmlos eigentlich, aber die Kirche greift ein und versetzt Adam – wieder einmal, wie wir dabei erfahren.
Ma?go?ka Szumowska, letztes Jahr mit dem sehr interessanten „Elles“ und Juliette Binoche im Panorama, zeigt in ihrem diesjährigen Wettbewerbsbeitrag mit großer Feinheit das unterdrückte Begehren eines Priesters, ebenso wie den scheinheiligen Umgang der Kirche damit. Die Suche nach Liebe, die erotische Sehnsucht zwischen Maisfeldern im flirrenden Sommer, wird in andächtigen, ruhigen Bildern gezeigt – und von hervorragenden Schauspielern verkörpert. Ein stimmiger Film, dessen Bitterkeit in seiner ästhetischen Schönheit fast schon wieder aufgehoben wird.

Text: Catherine Newmark

Foto: Quelle: Internationale Filmfestspiele Berlin

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Wettbewerb Berlinale 2013
W Imi? (In the name of), Polen 2012. Regie und Drehbuch: Ma?go?ka Szumowska. Darsteller: Andrzej Chyra (Adam), Mateusz Ko?ciukiewicz (?ukasz), Maja Ostaszewska (Ewa), ?ukasz Simlat (Michal). 102 Min, Farbe.

 

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