Berlinale 2013

„Paradies: Hoffnung“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Paradies: Hoffnung

tip Cannes und Venedig haben Sie nun hinter sich gebracht – nicht zum ersten Mal, denn Sie waren ja mit „Hundstage“ 2001 am Lido und mit „Import Export“ 2007 schon in Cannes. Welches ist das sympathischere Festival?
Ulrich Seidl Jedes Filmfestival hat seine Vor- und Nachteile. Cannes ist geschäftlich natürlich das wichtigste und beste. Dort hat man tatsächlich eine Art von Weltöffentlichkeit. Es gibt keine bessere Chance, einen Film international zu etablieren als dort. Andererseits ist das auch ein schrecklicher Tanz der Eitelkeiten, den es in Venedig so nicht gibt. Am Lido fühlt man sich wohler, nicht so sehr durch die Menschenmengen geschoben wie in Cannes.

tip Sind Sie froh, dass der Festival-Wahnsinn bald abklingen wird? Der Festspielzirkus passt nicht ganz zu Ihrer eher introvertierten Persönlichkeit. Oder fühlen Sie sich darin mittlerweise wohl?
Ulrich Seidl Nein, das nicht. Aber ich will ja der Herausforderung und meiner Arbeit gerecht werden. Ich muss dazu ja öffentlich Stellung beziehen. Es genügt nicht, die Filme einfach rauszulassen. Man muss sie auch begleiten.

tip Es gibt Filmemacher, die jede Öffentlichkeit scheuen und trotzdem wahr- und ernst genommen werden.
Ulrich Seidl Das ist nicht meine Art. Ich will mich ja nicht zum Mythos stilisieren.

Paradies: Hoffnungtip Sie erläutern Ihre Filme gern?
Ulrich Seidl Ich habe gelernt, dass es sehr dazu beiträgt, meine Arbeit besser zu verstehen. Meine Aussagen fördern das Interesse an meinen Filmen.

tip An der Berlinale nahmen Sie 1999 mit „Models“ teil, damals noch im Panorama.
Ulrich Seidl Daran erinnere ich mich kaum noch. Ich habe Berlin aber sehr gemocht und auch viel dort gearbeitet. Ich habe weite Teile von „Hundstage“ dort geschnitten und später an der Volksbühne inszeniert – daher weiß ich es zu schätzen, wenn ich mich dieser Tage viel in der Stadt aufhalte.

tip Die Trilogie als Ganzes läuft allerdings nicht im Rahmen der Berlinale, sondern nur als Vorführung an der Akademie der Künste. Warum wollte Kosslick nicht alle drei Teile zeigen?
Ulrich Seidl Er meinte, er könne nicht vertreten, dass zwei Filme, die schon im Wettbewerb anderer Festivals zu sehen gewesen seien, in seinem offiziellen Programm liefen. Schade. Ich hätte das gerne im Rahmen der Berlinale gemacht.

tip Statt Frühling an der Cфte d’Azur und Spätsommer in der Serenissima wird das „Paradies“-Finale von Eis und Schnee begleitet. Ist das passend?
Ulrich Seidl Nur bedingt, denn alle drei Filme spielen ja in der Hitze des Sommers, was aber viele Kinobesucher im Winter gerne sehen. Ich persönlich mag die Kälte und den Schnee ja sehr. So gesehen passt es gut.

Interview: Stefan Grissemann

Paradies: Hoffnung (Wettbewerb)
8.2., 22.00, Berlinale-Palast
9.2., 15.00, Friedrichstadt-Palast
9.2., 23.15, HdBF

Festliches Trio
Die Akademie der Künste zeigt am Mittwoch, 13. ­Februar, ab 15 Uhr alle drei Filme der Trilogie en suite:
15.00 Uhr „Paradies: Liebe“
17.30 Uhr „Paradies: Glaube“
20.00 Uhr „Paradies: Hoffnung“
Karten: Einzel 6/4 Euro, Sammelticket 15/10 Euro.

Um 22.00 Uhr folgt ein Gespräch mit dem Regisseur, der ­Eintritt ist frei.

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