Berlinale 2013

„Paradies: Hoffnung“ im Wettbewerb der Berlinale 2013

Paradies: Hoffnung

tip Herr Seidl, Sie haben es geschafft, die Weltpremieren Ihrer „Paradies“-Trilogie zwischen Mai 2012 und Februar 2013 auf den bedeutendsten Filmfestivals der Welt – in Cannes, Venedig, Berlin – unterzubringen: Waren Sie stets zuversichtlich, dass dieser Festival-Hattrick gelingen würde?
Ulrich Seidl Nein. Natürlich nicht. Ich habe aber alles daran gesetzt, das zu erreichen. Die andere Option hätte darin bestanden, alle drei Filme zugleich in den Wettbewerb eines zentralen Festivals zu setzen. Dazu wäre man in Venedig bereit gewesen. Es gab da schon Frühling 2012 eine Einladung.

tip Weil dann aber aus Cannes die Nachricht kam, man würde dort den ersten Teil – „Paradies: Liebe“ – uraufführen, nicht jedoch die beiden anderen, haben Sie Ihren Plan geändert. Sahen Sie sich dazu auch von Ihrem Weltvertrieb gedrängt?
Ulrich Seidl Nein, gar nicht. Ich wollte nur das Angebot aus Cannes nicht ausschlagen.

tip Weil Ihnen Cannes wichtiger war als Venedig?
Ulrich Seidl Nicht wichtiger, aber es erschien mir sinnvoller: Denn mir wurde bewusst, dass eine Verteilung der drei Filme auf drei große Festivals die bessere Option sein würde. Das hat sich seither ja bestätigt. Der Trilogie wurde und wird durch diesen Coup weit mehr mediale Aufmerksamkeit zuteil, als wenn ich die drei Filme in Venedig geschlossen zur Weltpremiere gebracht hätte. Das Interesse an den Filmen verteilte sich so über ein Dreivierteljahr.

tip Sie verkauften schon in Cannes die Rechte an der Trilogie in weite Teile der Welt.
Ulrich Seidl Dem Weltvertrieb wurde der Dreiteiler dort nur auf Basis des ersten Films abgekauft, viele Verleiher haben offenbar großes Vertrauen in meine Arbeit.

Ulrich Seidltip In Venedig wurde „Paradies: Glaube“ mit einem Hauptpreis ausgezeichnet. Mit dem dritten, Ihrem Teenager-Diätcamp-Film, wollten Sie nach Berlin.
Ulrich Seidl Ich wusste auch bald, dass das klappen würde. Dieter Kosslick gab mir schon Ende August, also noch vor dem Venedig-Festival, Bescheid, dass er „Paradies: Hoffnung“ in den Wettbewerb nehmen würde. Die Zusage war natürlich lange inoffiziell.

tip Eine Kino-Trilogie, die en suite in den drei wesentlichen Film-Wettbewerben läuft, das gab es in der Kinogeschichte erst ein einziges Mal.
Ulrich Seidl Ja, Kieslowskis „Drei Farben“-Trilogie, 1993/94.

tip Ursprünglich war „Paradies“ ja als ein etwa dreistündiger Film geplant. Als der Film länger wurde, beschlossen Sie, ihn in drei Teile zu spalten. Gab es keine Angst, dass die Zeit zwischen den Premieren zu lang werden könnte, dass Spannung und Zusammenhalt verloren gehen könnten?
Ulrich Seidl Diese Angst hatte ich nicht. Im Gegenteil: Ein Argument leuchtete mir ein – dass man „Paradies“ als einem durchlaufenden Fünfeinhalbstunden-Epos medial und festivaltechnisch nur beschränkt gerecht werden konnte.

tip Die Abfolge der Weltpremieren der drei Teile erscheint wie von langer Hand geplant: „Liebe“ an der Cфte d’Azur, „Glaube“ im erzkatholischen Venedig. War das Absicht?
Ulrich Seidl Alles Zufall. Die Reihenfolge der Filme hatte ich Anfang 2012 endgültig festgelegt.

tip Wieso denn? Die drei Episoden könnte man doch auch anders reihen.
Ulrich Seidl Nein, das ginge nicht mehr. 2011 wäre das noch möglich gewesen, denn Cannes-Chef Thierry Frйmaux hätte „Paradies: Glaube“, jenen Film, der als Erstes fertig geworden war, schon im Mai 2011 zeigen können. Wir hatten ihm den Film sehr kurzfristig, praktisch im letzten Moment, angeboten, aber er lehnte ab.

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