Berlinale 2014

„Al doilea joc“ auf der Berlinale 2014

Al doilea joc

Es gibt inzwischen eine ganze Menge Geschichten vom Untergang des Kommunismus. Selten wird man allerdings eine so ungewöhnliche finden wie die in dem Film „Al doilea joc“ des rumänischen Regisseurs Corneliu Porumboiu. Hier gibt es nicht mehr zu sehen als ein Fußballspiel zwischen Steaua und Dinamo Bukarest im Winter 1988. Dass ein Jahr später der Diktator Ceausescu vertrieben und hingerichtet werden könnte, muss für die meisten Menschen damals noch völlig undenkbar gewesen sein. Und auch Porumboiu hält nun bewusst in der Schwebe, ob sich in dem Fußballspiel so etwas wie eine Allegorie auf eine zum Untergang verurteilte Ordnung erkennen lassen könnte.
Indizien für diese Lesart gibt es durchaus: Steaua und Dinamo waren Mannschaften, die dem kommunistischen Regime nahestanden. Steaua war das Team der Armee, Dinamo unterhielt gute Beziehungen zum Geheimdienst Securitate. Die 22 Spieler, die in „Al doilea joc“ unter irregulären Bedingungen bei Neuschnee antraten, waren Akteure in einem verschobenen Wettbewerb und taten doch ihr Bestes. Viele von ihnen sollten später das Land verlassen und Karriere bei europäischen Spitzenclubs machen, etwa der legendäre Hagi.
Corneliu Porumboiu hat allerdings einen sehr persönlichen Grund, dieses Fußballspiel aus den Archiven zu bergen. Sein Vater Adrian Porumboiu war damals der Schiedsrichter. Er stand also zwischen den Fronten und erinnert sich, während er sich mit seinem Sohn aus dem Off unterhält und das Spiel kommentiert, daran, dass vor solchen Spielen häufig jemand an ihn „herantrat“, um einen bestimmten Spielausgang nahezulegen.
Doch ist es keineswegs so, dass der Sohn das Gespräch mit dem Vater in eine bestimmte Richtung lenkt oder irgendwie darauf zielt, das zähe Hin und Her nachträglich mit Politik aufzuladen. Man gewinnt den Eindruck einer entspannten Spontaneität, dem Vater ist sehr daran gelegen, dass man seine Auslegung der Vorteilsregel nachvollziehen kann, der Sohn fühlt sich an einer Stelle (leicht kokett) an die Ästhetik seiner eigenen Filme erinnert: „Wenig Schnitte, und es passiert kaum etwas.“ Tatsächlich ist Porumboiu mit Arbeiten wie „Police, Adjective“ und zuletzt „When Evening Falls on Bucharest or Metabolism“ zu einem raffinierten Konzeptualisten des Kinos gereift: Er erzählt immer auch von den Bedingungen des filmischen Erzählens. Mit „Al doilea joc“ erweitert er nun seinen Horizont in Richtung „found footage“ (Archivmaterial). Dabei vermeidet er die Versuchung, zu viel aus den Bildern herausholen zu wollen. „Al doilea joc“ ist ein Experiment, das wirkt, als wäre es mit leichter Hand gelungen. Ein Höhepunkt des gesamten Festivals!

Text: Bert Rebhandl

Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin

Termine: Di 11.02. 19:15, Delphi Filmpalast (E); Do 13.02. 19:30, CinemaxX 4 (E); Fr 14.02. 12:30, Kino Arsenal 1 (E); So 16.02. 15:00, Cubix 7 (D)

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