Berlinale 2014

Als Komparse bei George Clooney

Monuments Men

Der Dreh von „Monuments Men“ liegt jetzt fast ein Jahr zurück. Damals gab es ein öffentliches Casting im Filmpark Babelsberg. Ich war an dem Tag schon recht früh da, ein paar Hundert Meter weiter studiere ich an der HFF Szenenbild. Allein deshalb wollte ich einmal miterleben, wie eine Hollywood-Produktion abläuft. Gesucht wurden vor allem männliche Komparsen als Soldaten: Deutsche, Amerikaner, Kanadier und Franzosen. Ich wurde als amerikanischer GI eingeteilt. Dabei bin ich blond – ich hätte mich wohl eher als Nazi besetzt.
Ich war an drei Drehtagen dabei. Als George Clooney das erste Mal am Set auftauchte, erinnere ich mich natürlich. Es gab etwas Gemurmel, man hörte links oder rechts: „Da ist Clooney …“ Unsere Aufregung hielt sich aber in Grenzen. Letztlich haben auch wir Komparsen uns als Teil des Films gefühlt.
Campbell CasparyAm ersten Tag drehten wir in einer Art Stollen. Zuerst ging es in die Maske, danach ans Set. Dort bekamen wir Anweisungen: „Ihr zwei redet miteinander, du rauchst eine, und er gibt dir Feuer.“ Irgendwann hieß es: „Camera rolling!“ Zu der Ansage „Background action!“ mussten wir mit unseren Handlungen loslegen: rauchen, hin- und herlaufen, Schuhe zubinden, Karten spielen und so weiter. Einmal musste ich rauchen. Dafür gab es Kräuterzigaretten. Für den Dreh habe ich mir sogar die Haare schneiden lassen. Ich kam dort mit einer ziemlichen Matte an, und die haben mir einen typischen GI-Schnitt verpasst. Dafür gab es eine Art Schmerzensgeld, aber ich fand das eigentlich auch ganz witzig. Wirklich beeindruckt hat mich, wie nett alle am Set waren: Clooney, Damon, Bill Murray, John Goodman. Man hat gemerkt, dass sie miteinander befreundet sind. Uns haben sie auch freundlich gegrüßt. Sie haben oft miteinander gescherzt und damit die Atmosphäre aufgelockert.
Dass George Clooney so freundlich ist, wie alle sagen, kann ich nur bestätigen. Er war immer präsent. Er stand ja nicht nur vor der Kamera, sondern war auch Regisseur und Produzent. Nach jedem Take rannte er ins technische Zelt, um sich die Aufnahme anzusehen. Irgendwann kam er wieder raus und gab neue Anweisungen. Er joggte also ständig über das Gelände – das war schon imponierend.
Am besten gefiel mir eine Szene in einem GI-Camp. Dafür hatten die Schauspieler wohl extra Fahrtraining in alten Transportern und Panzern bekommen. Mit den Dingern mussten Clooney und Murray rumheizen. Einmal fuhr Murray an mir vorüber und machte dabei einen Gesichtsausdruck wie ein kleines Kind. Vermutlich ist er mit so einem Riesenteil noch nie gefahren.
Rückblickend war’s ein toller Job.
Im Moment hätte ich allerdings keine große Lust auf einen weiteren Komparsenjob. Es ist nämlich auch richtig anstrengend. Man ist mit anderen Komparsen eingepfercht und steht teils zwei, drei Stunden in der Kälte rum und wartet. Du bist das kleinste Rädchen im Getriebe, und ein bisschen wird man auch so behandelt. Aber das gehört natürlich dazu.

Aufgezeichnet von Ulrike Rechel

Foto „Monuments Men“: 2013 Twentieth Century Fox

Termine: Sa 08.02. 18:30, Berlinale Palast (D); So 09.02. 09:30, Zoo Palast 1 (D); So 09.02. 15:00, Friedrichstadt-Palast (D); So 09.02. 18:00, Friedrichstadt-Palast (D); So 09.02. 22:30, International (D)

ZUSATZINFO

Die glorreichen Sieben
Ende des Zweiten Weltkrieges schicken die Alliierten sieben Kunstexperten hinter die feindlichen Linien, um bedeutende Kunstwerke vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. Die „Monuments Men“ gab es tatsächlich, Regisseur George Clooney hat die wahre Geschichte des Einsatzkommandos etwas aufgepeppt und mit reichlich Star-Power geschmückt. Matt Damon, Bill Murray, Cate Blanchett, John Goodman und Frankreichs Shooting Star Jean Dujardin teilen sich die Screen Time mit Clooney.

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