Berlinale 2014

Filmkritik: Aimer, boire et chanter

Life of Riley Berlinale 2014

Nachdem sein bislang letzter Film „Ihr werdet euch noch wundern“ eher sperrig und experimentell ausfiel, ist Alain Resnais für „Aimer, boire et chanter“ zu einem ähnlich intelligent-boulevardesken Theaterstück von Alan Ayckbourn zurückgekehrt, wie er es vor gut zwanzig Jahren mit „Smoking/No Smoking“ (1993)  schon einmal inszeniert hatte. Wie immer kaschiert der mittlerweile 91-jährige französische Regisseur das Theaterhafte dabei keineswegs, sondern stellt es regelrecht aus: Seine Protagonisten agieren in von Resnais‘ Dauermitarbeiter Jacques Saulnier entworfenen komplett stilisierten Kulissen, wo ein Rollrasen und ein paar Pappblumen und -büsche als jene Gärten herhalten müssen, in denen sich der größte Teil der Handlung entspinnt.

Die kreist einmal mehr um jene Lebens- und Beziehungslügen, mit denen sich Resnais immer wieder so gern beschäftigt: Die Nachricht, dass ein alter Freund nur noch sechs Monate zu leben hat, stellt die aktuellen Beziehungen von drei Frauen (verkörpert von Sabine Azйma, Sandrine Kiberlain und Caroline Silhol) auf die Probe, weil jede von ihnen mit – dem im Film nie auftauchenden, aber offenbar noch ziemlich fidelen – George Erinnerungen oder Wünsche verbindet, deren Erfüllung in der eingefahrenen Routine ihres Lebens kaum mehr möglich erscheinen. Das Vergnügen an diesem Film ist speziell, Preise wird es trotz der guten Schauspielerleistungen dafür voraussichtlich kaum geben. Die Kritik am Theaterhaften seines Films nimmt der Regisseur denn auch gleich vorweg, in dem er Andrй Dussollier (als geduldig-ungeduldiger Bauer in Gummistiefeln) an einer Stelle sagen lässt, ihm sei das Kino lieber. Wer aber den absurd-hintergründigen Humor von Ayckbourn und Resnais schätzt, wird auch hier auf seine Kosten kommen.

Text: Lars Penning

Foto: A. Borrel

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Aimer, boire et chanter, Frankreich, 2014, Regie: Alain Resnais, Darsteller: Sandrine Kimberlaine, Sabine Azйma, Caroline Silhol, Andrй Dusollier, Hippolyte Girardot, 108 Minuten

Weiter Termine:

Di 11.02., 13:00 Uhr: Zoo Palast 1

Di 11.02., 15:30 Uhr: Friedrichstadt-Palast

Mi 12.02., 22:00 Uhr: Haus der Berliner Festspiele

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