Berlinale 2014

Filmkritik: Black Coal, Thin Ice

Black Coal,Thin Ice - Berlinale 2014

Kein Kriminalfall ohne schöne Frauen. Und schon gar nicht im Film Noir. Dieser kommt aus China, verrät im englischen Titel „Black Coal, Thin Ice“ (Diao Yinan) bereits eine ganze Menge und seine Damen sind insbesondere für Hauptfigur Zhang Zili (Liao Fan) ein ziemlicher Schuss in den Ofen. Alles beginnt im Schicksalsjahr 1999. Als Zhangs Frau die Scheidung einreicht und den gebrochenen Kommissar kurzerhand am Bahngleis stehen lässt. Dann tauchen im Umkreis der nordischen Kleinstadt plötzliche einzelne Körperteile auf. Die Spur führt zu einem lokalen Waschsalon, in dem die fragile Wu Zhizhen (Gwei Lun Mei) in einem Alptraum zwischen Dampfbügeleisen und zudringlichem Ladenbesitzer lebt. Gehören die Körperteile zu ihrem Mann? Doch die Fäden laufen anders zusammen. Nur wie? Fünf Jahre später rollt der ganze Fall wieder auf. Wieder verstreute Gliedmaßen. Wieder Wu Zhizhen. In „Black Coal, Thin Ice“ ist wenig offensichtlich. Mal erstrahlt alles im grell-bunten Licht hunderter LED-Leuchten, dann kurvt Wu Zhizhen wie eine Traumgestalt über das Eis; Glitzerschnee, Tschaikowsky und Slow-Motion – alles dabei. Und mittendrin Zhang Zili, der sich, mittlerweile als Polizist ohne Dienstmarke, im Wirrwarr aus Selbstmitleid, Verliebtheit und altem Ehrgeiz an die Fersen der sonderbaren Frau heftet. Regisseur Diao Yinan gelingen auf diesem etwas trägen Kesseltreiben immer wieder sensationelle Einstellungen. Die in der Gesamtheit des Films aber leider zu einzeln dastehen. So bleibt das Feuerwerk, das zum Schluss auf alle Beteiligten niederprasselt, im Kinosaal aus.

Text: Carolin Weidner

Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin

Chance auf den goldenen Bären?

Das tip-Bären-Orakel

Black Coal, Thin Ice (Bai ri yan huo), China, Regie: Yi’nan Diao, Darsteller: Fan Liao, Lun Mei Gwei, Xuebing Wang, 106 Minuten

Weitere Termine

Do 13.02., 9:30 Uhr: Friedrichstadt-Palast

Do 13.02., 18:00 Uhr: Friedrichstadt-Palast

Mehr über Cookies erfahren