Berlinale 2014

Filmkritik: „Der Samurai“ von Till Kleinert

Der Samurai

Es besteht wieder Hoffnung für den deutschen Horrorfilm. Mussten sich Fans des gepflegten Nervenkitzels in den letzten Jahren bei Produktionen aus Deutschland mit Mainstream wie „Lost Place“ oder „Wir sind die Nacht“ zufrieden geben, schlägt Regisseur Till Kleinert mit seinem Hochschul-Abschlussfilm „Der Samurai“ eine wahre Schneise des Verderbens durch das ländliche Brandenburg.
In einem Kuhkaff irgendwo in der Walachei sieht sich der junge und wegen seines Pflichtbewusstseins nicht gerade beliebte Dorfpolizist Jakob eines Nachts mit einer unheimlichen Gestalt mit Samurai-Schwert konfrontiert. Als Bestie in Frauenkleidern zieht Pit Bukowski durch den Ort, zerstört zunächst allerlei Vorgärten, um sich später blutspritzend spektakulär über die Dorfjugend her zu machen. Mal instensiv bedrohlich, mal lasziv lockend, doch immer geheimnisvoll, bleibt das Motiv des transvestitischen Übeltäters lange im Dunkeln und sorgt so neben allen Schockmomenten für den übergeordneten Spannungsbogen. Gleichzeitig bilden die vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten, die Regisseur Kleinert am Ende anbietet, den vielleicht einzigen Schwachpunkt des Films. Hier hätte dem Regisseur und Drehbuchautor eine klare Entscheidung gut getan, denn ansonsten macht er eigentlich alles richtig und verteilt die Zutaten eines guten Horrorfilms in angemessenen Portionen. Er feiert seine Zitate an große Vorbilder, lässt den Zuschauer mitunter schon allein durch gutes Sounddesign in Erwartung auf den Schockmoment erstarren, verzichtet auch auf den ein oder anderen Ekelmoment nicht, schreckt auch vor Blutorgien nicht zurück und schafft es dennoch, das bedrohliche Szenario hin und wieder pointiert durch den ein oder anderen Scherz aufzulockern.
Sind Hochschul-Abschlussfilme in vielen Fällen verkopfte Betroffenheitsmelodramatik, macht Kleinerts Film in seiner Respektlosigkeit einfach nur Spaß und vor allem Lust auf mehr.

Text: Martin Zeising

Foto: Emi Maria Bohacek / Edition Salzgeber

Berlinale 2014 – Perspektive Deutsches Kino
Der Samurai, Deutschland 2014; Regie: Till Kleinert; Darsteller: Pit Bukowski, Michel Dierks, Uwe Preuss, Ulrike Hanke-Hänsch; 79 Minuten

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